18. Februar 2008 von C.Lefebvre (10 Posts)49 mal gelesen
Eine solche Völkerwanderung hat es in der Spielzeuglandschaft lange nicht gegeben: Millionen von China-Barbies treten die Heimreise an. Sie können praktischerweise einsteigen in ein mit bleihaltiger Farbe bestrichenes Spielzeug-Jeep namens „Sarge“. Auch wenn ich nicht ausschließen möchte, dass es sich um eine neue Aktion dieses chinesischen „Documenta-“ Künstlers handelt. Die Wendung, etwas liege wie Blei in den Regalen, klingt jedenfalls schon ganz anders in meinen Ohren. Und dann wäre noch ein Sack Reis, der permanent umfällt.
Gelangt Blei in den Organismus eines Kleinkindes, kann das verheerende Folgen haben. Geistesbehinderungen, beizeiten begleitet von dauerhaften körperlichen Gebrechen. Was wie ein bedauerlicher Einzelfall aussieht, offenbart in Wirklichkeit das Versagen eines Systems. Über das europäische Meldesystem Rapex, das für Konsumenten gefährliche Produkte verzeichnet: Lebensgefahr durch minderwertige Produkte aus China. „Wenn heute da der Lieferant Ping Pong rausgeschmissen wird, bewirbt er sich morgen als Pong Pong wieder“. Zudem werden in China auch Siegel und Zertifikate häufig genug gefälscht.
Dabei haben nicht alle schlechten Waren aus China das Potential, die Verbraucher zu schrecken. Wenn eine chinesische Limosine, wie kürzlich das Modell Brilliance, durch den Crashtest fällt, dann sorgt das wenige. Bei verdreckten Lebensmitteln sieht das schon anders aus. Da ist meine persönliche Erregung schon weitaus größer. Zwar schätzen es die Deutschen, dass China in Zeiten der Globalisierung fleißig produziert und günstiges Spielzeug, Handys, Toaster und TV-Geräte liefert. Doch viele Verbraucher fragen sich, ob der neue Toaster aus China nicht doch eine Gefahr darstellt und beim ersten Benutzen gleich brennt oder der Billig-Föhn aus Fernost beim Anknipsen wegschmilzt. Kurzum: Kunden wollen wissen, ob sie die Ware aus chinesischen Fabriken überhaupt noch trauen können. Es gab auch Meeresfrüchte, die mit Salmonellen verseucht waren, es wurde Rattengift im Weizen gefunden und Chemikalien im Hustensaft – alles Waren aus China. So produzieren Unternehmen wie Mattel oder Zapf Creation fast ausschließlich in China. Auch Tchibo und Karstadt wollen nun besser prüfen. Eine Verpflichtung zu Produktprüfungen in China wird es so schnell nicht geben. Einer Tipps lautet: Am Spielzeug oder Kleidung riechen. Ist der Geruch eigenartig, ist vom Kauf abzuraten. Für die westlichen Unternehmen nicht nur eine Frage der Moral: Ihr guter Name ist das Kostbarste, was viele Konzerne heute haben. Belastete Produkte können deshalb auch für sie selbst tödlich sein. In der globalisierten Warenwelt kann nahezu alles an fast jedem Ort der Erde hergestellt werden – Hauptsache billig. Angeheizt auch durch Internetauktionen, bei denen sich die Hersteller unterbieten, bis einer den Zuschlag bekommt. Dieser Kampf der Zulieferer markiert nur das Ende einer Kette. Der Druck geht von den Konsumenten aus, die heutzutage eine möglichst grenzenlose Auswahl zu Tiefstpreisen erwarten. Produktstandards bleiben da trotz aller staatlichen und privatwirtschaftlichen Normen immer wieder auf der Strecke.
Beim TÜV Rheinland wurde gerade ein Toaster untersucht, bei dem der chinesische Hersteller den Schutzleiter weggespart hatte. Der dient dazu, die Sicherung auszulösen, wenn durch einen Fehler Strom auf das Gehäuse gelangt. Was hilft ist politischer Druck auf China. Das europäische Symbol CE etwa ist nur eine Selbstverplichtung der Hersteller sich an die Regeln der Gemeinschaft zu halten und für eventuelle Rechtsansprüche eine Adresse in Europa zu haben.
Die schönste Hülle nutzt nichts, wenn sie giftig ist. Es kommt auf die inneren Werte an.













Was kann der Verbraucher dagen tun?
Ganz gezielt bestimmte Produkte nicht kaufen! Zum Beispiel dieses Jahr keine Weihnachtsbäume! Bei gezielten Boykott lösen sich viele Probleme auf einmal ganz von selbst.
J. Lanz