13. August 2008 von decuir (43 Posts)41 mal gelesen
Was waren das für Zeiten, als wir uns am Freitagabend ab 18.20 Uhr über die Abenteuer von „Dick und Doof“ amüsiert haben! Erinnern Sie sich? Das war vor der Einführung des privaten Proletarierfernsehens. Damals gab es nur drei Programme. Und „Dick und Doof“ waren ein echter komödiantischer Höhepunkt im ansonsten beschaulichen Programms.
Ich vermisse Stan, dem alles schief geht, obwohl er nur so sein will, wie er ist, und den dicken Ollie, dem alles schief geht, nur weil er etwas Besseres, ein respektables Mitglied der Gesellschaft, sein will.
Dabei gibt es sie heute zuhauf: Dicke und Doofe im Internet. Ein Blick auf die Welle der Youtube-Soaps, die nun schon seit Jahren wie eine Flut wider den guten Geschmack über uns hereinbricht, offenbart aber den entscheidenden Unterschied: Das Doofe ist nicht gespielt, sondern echt. Unwillkürlich fragt sich ein halbwegs gebildeter Zuschauer, ob das Geschehen auf dem Monitor wirklich real ist. Und die ernüchternde Antwort lautet: Ja. Das Internet als Abgesang auf das kulturelle Erbe des Abendlandes.
Von solcher Nachfrage träumen viele klassische Lehrberufe. Superstar ist der neue Traumjob vieler Jungen und Mädchen mit wenig Grips und meistens null Talent. Das ist schick, das ist einfach, das kann jeder mal versuchen. Und eine aufreibende Ausbildung kann man sich auch gleich ersparen. Leider ist das keine Komödie. Kommt da eine Generation Doof auf uns zu? Und da frage ich voller Sorge, sind wir alle hier etwa gefährdet?














Gefährdet sind wir nicht, aber teilweise den Betroffenen ausgesetzt. Und zwar all den Doofen, die es vorher schon waren und nun meinen, uns ihre “Qualitäten und besonderen Begabungen” auch noch zum Besten geben zu müssen!
Leider merkt man erst beim Lesen, wie doof ein Beitrag ist. Wenigstens ist es nicht ansteckend – eher abschreckend!
@Alex
Die Dosis macht das Gift und nicht alles glauben was in Wikipedia steht.
Eine Herausforderung ist wohl auch das Wesentliche vom Müll zu trennen.
Erstmals in der Menschheitsgeschichte haben wir die Möglichkeit fast alle Daten, Fakten, Texte, Meinungen, Informationen weltweit abzurufen, wir machen uns aber Gedanken, ob wir davon nicht Schaden erleiden werden. Auch Zeitungen schreiben dann auch alle paar Wochen einen Beitrag, indem auf die vermeintliche Gefährlichkeit der neuen Medien hingewiesen und die angebliche Überlegenheit von Buch und Zeitung gepriesen wird. Ich glaube aber das entscheidende ist bei allen Medien wie man sie nützt. Das Buch wird völlig zu Unrecht weit überschätzt, die meisten Leute lesen bestenfalls Harry Potter, Kerkeling, nichtssagende Unterhaltungslektüre und Dinge, die auch nicht gerade schlauer machen. Im Internet dagegen kann ich eine Unmenge an Informationen zu einem bestimmten Thema finden, wenn ich gezielt genau danach suche.
Das Internet macht doof!
Da musste ich damals meine Referate noch aus dicken Lexika recherieren, zusammenfassen, verstehen, nachschlagen…und heute? Copy&Paste aus dem Netz..Quellenangabe = Fehlanzeige. Ich finde das nimmt einiges von der ursprünglichen Idee eines Referates.
Und dann ist da wieder die Jugend. Die es nicht für nötig hält, unsere schäöne Sprache so zu tippen wie man sie spricht (wobei die meisten eh schon so sprechen wie sie tippen).
Da ist “lol, rofl, cu”. Groß- und Kleinschreibung wird ignoriert. Satzzeichen, Absätze….alles verloren im digitalen Sumpf.
Trotzdem liebe ich das Internet!
Ich gehöre mit 47 doch schon eher der reiferen Generation an, die natürlich mit Büchern aufgewachsen ist. Ich selbst habe unzählige davon gelesen und recherchiere auch ständig in ihnen nach bestimmten Informationen und Meinungen. Es wurde mir aber bisher niemals verständlich erklärt, warum das Buch dem Internet grundsätzlich überlegen sein soll. Ich habe das Gefühl, menschliche Defizite, unsere Trägheit und Bequemlichkeit, wird diesem Medium angelastet, nicht jedoch der einzelnen Person, die eben nur falsch damit umgeht. Es ist nicht notwendig falsch zu tippen und Sätze zu verkürzen, eigentlich hat jeder ein Fehlerkorrekturprogramm und man kann damit seine eigenen Fehler sofort sehen, bei einem Text den ich auf Papier niederschreibe, kann ich mir aber nicht sicher sein, ob ich alles richtig geschrieben habe. Ich kann mir Informationen für was auch immer mühsam in duzenden Büchern zusammen suchen, ob der Inhalt eines Buches sich allerdings immer mit der Realität deckt ist natürlich auch nicht gewährleistet. Es gibt unzählige Bücher mit verzerrten, falschen Fakten und haarsträubenden Thesen.
Um das Argument “meines Vorredners” zu erweitern: Früher gab es ebenso viele schlechte Bücher, wie es schlechte Seiten im Internet gibt. Der Vorteil des Internet ist es, dass ich ebenso schnell Informationen gegenprüfen kann.
Während man früher auf reine Bucharbeit angewiesen war, hat alleine das Überprüfen kleiner Fakten immens viel Zeit verschlungen.
Heute geht das ganze per Wikipedia – und wenn ich darauf nicht vertraue kann ich selbst diese Fakten in sekundenschnelle überprüfen, in dem ich andere Quellen suche.
Zu denken, dass es ein goldeneres Buchzeitalter, wäre ein Trugschluss. Denn Bücher, wie auch das Internet sind nur Medien der Informationsverbreitung. Die Methoden, wie man kritisch mit Information umgeht, haben sich im Internetzeitalter überhaupt nicht geändert.
Das einzige was das Internet verändert hat ist die Menge der Menschen, die Informationen publizieren können, die größere Geschwindigkeit mit der man diese suchen, finden und verarbeiten (im Sinne von aufbereiten und publizieren) kann und nicht zuletzt die ständige Verfügbarkeit (24 Stunden, 7 Tage pro Woche)
Doch diese Vorteile bergen auch Nachteile, die weniger mit dem Internet als Technik zu tun haben, sondern mit dem allgemeinen Umgang damit:
Nicht alle Informationen die in Buchform existieren sind im Netz verfügbar. Doch auch das ist das pure Druckzeitalter nie überlegen gewesen.
Die Freiheit des Netzes führt dazu, dass mehr Information in der Masse verfügbar ist. Das bedeutet eben jede Information vermehrt zu finden ist: Man findet genauso leicht, was ein 14-jähriger Musik-Fan von seiner Lieblingsgruppe hält, was ein Rechtsradikaler von Demokratie hält oder ein Physik-Nobelpreisträger über String-Theorien gestern herausgefunden hat.
Das Internet wäre vergleichbar mit einer Bibliothek, in der jedes Schriftstück steht – sei es ein Schmierzettel oder ein nach aufwändigen wissenschaftlichen Kriterien produziertes Werk.
Dieses mehr an Information bedarf eben auch ein Mehr an Überblick und Kompetenz das Geschmiere von valider Information zu trennen.
Diese Unordnung ist zutiefst demokratisches, als auch etwas im hohen Grade ungeordnet.
Es gibt keine Vorauswahl mehr, sodass zum Thema Demokratie das Standardwerk eine hochintelligenten Politologen ebenso leicht zu finden ist, wie die Verschwörungstheorien eines durchgeknallten Esoterikers.
Es gibt eben mehr von allem, was zur Folge hat, dass das Medium Internet auch ein mehr an Durchblick für den Einzelnen erfordert.
Nein – das Internet macht nicht doof. Für viele stellt es eine Bereicherung dar. Man kann sein Wissen erweitern und dass nicht nur mit Wikipedia.
Man kann endlos Kochrezepte finden, Spiele für Geburtagsfeiern, Vornamen für das Baby, Basteltipps, Literaturtipps. Man kann viel Geld sparen, wenn man nicht zu jedem Thema (z. B. Rosen- oder Hühnerzucht) Literatur kaufen muss.
Bei geplanten Anschaffungen kann man Preise oder Qualität vergleichen.
Trotz allem möchte ich nie auf das Buch verzichten. Eines meiner Hobbys ist es, gemütlich auf dem Sofa zu liegen und zu schmökern.
Nein, das Internet m a c h t nicht doof, es erlaubt aber Doofen, sich zu äußern, ohne dass irgendeine Zensur eintritt.
Ein handgeschriebener Brief, der in der Regel mit dem Namen unterschrieben wird, erlaubt dem Leser sehr schnell, sich ein Bild von dem Absender zu machen.
Ein Text im Internet ist ebenso interpretierbar, aber der Absender bleibt anonym.
Kritikfähigkeit ist also beim Nutzen dieses Werkzeugs in erhöhtem Maße nötig.
Das Internet ist ein zeitgemäßes Werkzeug. Schon immer wollte der Mensch Zeit einsparen, weil sie ihm ja durch den Tod nicht unbegrenzt zur Verfügung steht. ES ist einer seiner stärksten Antriebe. Obwohl wir über eine sehr viel längere Lebenserwartung verfügen, würden wir gern diese Lebenszeit ins Unendliche ausdehnen. Da kommt uns das zeitsparende Werkzeug Internet entgegen und hilft uns, Arbeitsabläufe zu vereinfachen, zu verkürzen, zu optimieren. Aber da man sie auf sich nehmen musste, lernte man auch, die eigene Trägheit zu überwinden.
Jedes Werkzeug hat seine Stärken und Schwächen. Eine Sense ist keine Mähmaschine, aber ganz verzichten kann man auf sie nicht. Sie wird mit kleinen kompliztierten grasbewachsenen Hügeln besser fertig.
So bleibt auch dem Buch immer sein einzigartiger Wert erhalten: man kann es in die Hand nehmen (haptischer Genuss), man kann darin arbeiten (kommentieren, unterstreichen, farbig markieren), d.h. intensiver arbeiten als mit einem Text am Bildschirm. Der Inhalt eines in einem guten Verlag veröffentlichten Buches ist bereits durch viele Kontrollinstanzen gegangen, d.h. er ist einer vielfältigen Prüfung unterzogen worden.
Diese kritische Prüfung muss vom Nutzer des Internets noch mehr geleistet werden.
Erstklassiges und Schund stehen im Internet nebeneinander. Naive Leser können durchaus beides als gültig und “wahr” entgegennehmen.
Kritikfähigkeit ist aber meist ebenso selten vorhanden wie Selbstkritik.
Darin sehe ich eine große Schwäche.
Der unübersehbare Vorzug ist für mich nicht das LERNEN, sondern die KOMMUNIKATION, die das Internet ermöglicht. Hier ist mit Sicherheit ein Zugewinn an Demokratie eingetreten. Nie zuvor hat man Menschen so schnell und so einfach kennenlernen können. Gerade die Vielfalt und Buntheit der Äußerungen spiegelt die Wesensvielfalt von Menschen wider. Wer neugierig ist, wer psychologisch interessiert ist, wer einen Sandkasten für Erwachsene haben möchte, der ist sicher davon fasziniert, wird mitunter sogar süchtig.
Aus dem Beil, mit dem man früher Holz spaltete, seinen Rivalen auch erschlug, sind heute Maschinen entstanden, die das schneller und umfassender erledigen.
So ist auch das Internet eine Kommunikationsmaschine, die einen Urlaut optisch und weltweit gleichzeitig darstellen kann. Eine immense kreative Leistung des Menschen, die Raum und Zeit zu überwinden scheint.
Macht Fernsehen doof, macht Kopfballspielen doof, macht Kriegsspielzeug doof (und aggressiv?), was hat nicht schon alles doof gemacht. Es muss ein Überangebot an DoofHeit geben, dass immer wieder die gleiche Frage auftaucht. Oder ist es nur die Angst vor zukünftiger Dofheit? Vor Monaten hab´ ich hier mal zum gleichen Thema getröstet: Dover als eine schon ist kann sie auch durch´s Internet nicht werden. Wahrscheinlicher ist, dass Internet vergesslich macht. Wegen der steten Verfügbarkeit. Saudoow, jetzt hab´ ich doch total vergessen, was ich noch schreiben woll…..