21. Januar 2009 von GastarbeiterOWL (11 Posts)75 mal gelesen
Macht funktioniert heute noch so wie zur Zeit der alten Römer. Nur, dass statt der Zahl der Sklaven, Ländereien oder Orden heute das Modell des Dienstwagens, die Lufthansa-Senatorkarte und Kunst im Büro zählen. Vergessen wir nur eins nicht: Wir selbst entscheiden darüber, welchen Wert wir solchen Statussymbolen beimessen. Oder haben Sie Ihre Finanzen schon mal einem Steuerberater anvertraut, der einen rostigen Lada fährt?
Erinnern Sie sich jetzt vielleicht an Ihren letzten Besuch in einer Kathedrale? Andächtige Stille herrscht dort, das mächtige Bauwerk und die religiöse Atmosphäre gebieten Ehrfurcht. Die Menschen sprechen nur im Flüsterton. Und jetzt denken Sie mal vergleichsweise an ihren letzten Termin in der Chefetage. War es dort nicht ähnlich? Kein Wunder, dass diejenigen, die zu einer Audienz beim Big Boss vorgelassen werden, leise sprechen und bescheiden auftreten. Dieser Effekt ist gewollt. Das souveräne Alphatier muss sich nicht einmal aufplustern, um seine Macht zu demonstrieren; dafür hat es seine Insignien. Sie können natürlich gern mal mit ein, zwei Kollegen in die Vorstandsetage gehen und sich dort in normaler Zimmerlautstärke unterhalten oder gar Witze erzählen. Aber spätestens im Vorzimmer werden die Sekretärinnen Sie anfunkeln, als hätten Sie die Omertà gebrochen.
Zuerst einmal geht es zumeist nach oben, ganz nach oben, in jene Etage, die viele Kollegen nur vom Hörensagen kennen. Der Besucher muss durchs Vorzimmer mit ein bis zwei wachsamen Damen, die den Zugang zum Chef sichern wie der Secret Service Barack Obama. Dann steht er vor dem Schreibtisch des Chefs, einem mächtigen, meist erstaunlich aufgeräumten Bollwerk, hinter dem ein mindestens 1,20 Meter breiter Drehthron mit schwarzem Charolaisrindsleder-Bezug steht, der verdächtig an die Handfläche von King Kong erinnert.













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