7. März 2008 von decuir (43 Posts)52 mal gelesen
Lange bevor die Weltelite der Computerbranche sich erstmals in Hannover zum Kräftemessen traf, richteten sich Hausfrauen in den 50er-Jahren ihr modernes Küchenparadies ein: hier ein elektrischer Eierkocher, dort eine vollautomatische Brotschneidemaschine. Kartoffeln garen selbstständig im Schnellkochtopf, während der Kuchenteig vom Mixer cremig gerührt wurde. Hilfen brauchten die Frauen damals nicht und Technik war damals viel mehr als eine Bereicherung des Alltags. Sie war ein Wunder, das bestaunt wurde wie die Landung eines Raumschiffs.
Wer Nachrichten aus dem Bereich Informationstechnik (IT) in den vergangenen Monaten verfolgt hat, bekommt schnell einen Eindruck, wie sehr die Industrie sich wandelt. Da mutiert der Suchmaschinenbetreiber Google durch immer neue Dienstleistungen zum Konkurrenten großer Softwarekonzerne. Informationen sollen immer überall verfügbar sein. All dies führt dazu, dass Internet-Nutzer für ihren Datenverkehr mehr Ressourcen denn je benötigen.
Warum übt Hightech überhaupt so eine große Faszination auf viele Menschen aus, pilgern Computerfans aus aller Welt jeden März nach Hannover? Denn von der Präsentation bahnbrechender Neuheiten hat sich die CeBIT verabschiedet. Die Tage, als man mit dem ersten Farbfernseher, dem ersten tragbaren Telefon oder mit einem mobilen Musikabspielgerät für Aufsehen sorgte, sind Geschichte. Seit Jahren geht es bei der Geschwindigkeit der Prozessoren um Rekorde, Handys genießen einen Designwechsel nach dem anderen und werden Alleskönner, Datenspeicher erreichen gigantische Ausmaße. Ist das Innovation? Vielmehr geht es oft nur um Detailverbesserungen.
1986 lockte das „Centrum für Büro- und Informationstechnik“ mit dem ersten „Volkscomputer“, dem Commodore 64 C, mehr als 330.000 Besucher an. Telefone wurden im Laufe der Zeit kleiner und multifunktionaler, Bildschirme flacher, Computer leistungsfähiger. Fluch und Segen der Technik – auch in der Medizin wird dieser Gegensatz deutlich. Die elektronische Gesundheitskarte, die 2004 entwickelt wurde, erleichtert viele Daten-Prozesse und optimiert die Vernetzung von Patient und Arzt. Kritiker warnen jedoch vor „dem gläsernen Patienten“. Die Konfrontation von Mensch und Maschine führt sogar so weit, dass wir uns vor der voranschreitenden Technisierung des Alltags fürchten, und zwar ganz konkret, wenn es um die Vernichtung von Arbeitsplätzen geht. Sehr schön zu beobachten bei der Entwicklung von CD und DVD hin zu MP3-Dateien und der Musik-Industrie in OWL.
Jetzt entdecken die Messeveranstalter ihr grüne Seite. Die „Green IT“ soll zeigen, dass auch diese Branche nicht gegen, sondern für die Umwelt arbeitet. Computertechnik bestimmt immer mehr den Alltag, und die CeBIT kann seit Jahren davon nicht profitieren. Aus der ehemaligen Pflichtveranstaltung für Computerfans aus aller Welt ist ein biederer Supermarkt für Bits und Bytes geworden. Nur auf Grün zu setzen, ist zu wenig. Sonst wird die Leitmesse zur Leidmesse. Produktpiraterie ist seit Jahren ein Thema auf der CeBIT – wieso dann patentierte Neuheiten vorstellen?
Lohnt sich die CeBIT noch?













Es gab Zeiten, da waren CeBIT, Systems usw. Pflichttermine für mich. Mittlerweile kann mich noch nicht mal mehr eine Systems-Freikarte hinter dem Ofen hervorlocken.
Warum ist das so? Vielleicht deshalb, weil mein Geschäftsmodell sicher noch ein paar Jahre trägt und meine Branche relativ übersichtlich ist. Da ist aber noch mehr:
Die Zeiten, wo man Cupons aus Zeitschriften ausschnitt und in Umschläge steckte, sind vorbei. Etwas googeln und schon hat man alles am Bildschirm und das aus diversen Quellen. Schließlich wälze ich auch keine Reiseprospekte mehr und hole mir für das ausgewählte Hotel gleich noch ein paar Erfahrungsberichte aus dem Netz.
Manche mögen Messen auch nutzen, um sich mit Entscheidern zusammenzusetzen. Wenn die sich über mich informieren wollen, finden Sie in meiner Website und mit einer einfachen Suchmaschinenrecherche reiche Informationen. Ansonsten gibt es z.B. Konferenzsoftware und selbst Videokonferenzen erfordern kaum noch spezielle Infrastruktur.
Bleibt eigentlich nur noch, dass ich mir alle paar Jahre einen CeBIT-Katalog mitbringen lasse. Das Papier wird schnell entsorgt, aber die CDs sammle ich…
Cebit das war gestern.
Heute schaue ich mir die neuesten Modelle und Entwicklungen die für mein Unternehmen relevant sind in Ruhe und ohne Stress bei meinem Händler an oder lasse mir die Produkte im Büro vorführen. Unsinn nach Hannover zu fahren, Zeit zu verschwenden und übertriebene Hotelpreise zu bezahlen.
Ursel, Grimma
Das sehe ich genau so. Warum soll ich 800 Km zur CeBit fahren ein Teures Hotel buchen und dann viele Stunden in überheizten Hallen rumlaufen.
Wenn ich die gleichen Informationen, im Internet oder in der Fachpresse erhalten kann.
Denn alles was die Firmen auf der Messe vorstellen, kann man im Internet oder in der Fachpresse in aller Ruhe nachlesen.
Es ist klar: das ist Stress am laufenden Band. Aber zum Joggen kommen wir schon seite Jahren nicht mehr. Hier also eine gute Gelegenheit, Wissen und Sport auf eine inteligente Art und Weise zu verknüpfen.
Komfortable Anbindung via ICE inklusive. Das ist doch Deutschland vom feinstren.
Diese internationale Farcemesse ist immer noch sehr beeindruckend und sehr vital. Da dir breite Masse allerdings inzwischen fernbleibt, hat man wirklich genug Ruhe und wird nicht mehr angerempelt.