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6. März 2010 von MayankMayer (12 Posts)
292 mal gelesen

(Ø 3,40)10 Stimme(n)

Fehler sind gut, und es ist keine Schande, welche zu begehen. Wie gefährlich dieser Schwachsinn ist, haben wir in den vergangenen Jahren – nicht nur – in Griechenland erleben müssen.

Über zweierlei sind sich alle einig: In den vergangenen Jahren wurden Fehler gemacht. Sehr schlimme Fehler. Es mag sein, dass dies zu offensichtlich ist, als dass man noch darauf hinweisen müsste. Doch einfach nur diese beiden Tatsachen auszusprechen untermauert eine der hinterhältigsten, gefährlichsten und schwachsinnigsten Managementideen aller Zeiten – nämlich dass Fehler gut sind und dass es keine Schande ist, sie zu begehen. Oder wie es der Managementguru Jack Welch sagt: “Ich habe gelernt, dass ein Fehler ein ebenso guter Lehrer sein kann wie Erfolg.”

Aus Fehlern zu lernen ist aber nicht immer gut. Ich habe jetzt so viel Angst, eine fette Frau mit einer schwangeren zu verwechseln, dass ich gefühllos wirke, wenn ich es mit einer Frau zu tun habe, die im achten Monat schwanger ist.

Die meisten von uns können nicht umhin, Fehler zu machen. Uns allen, nicht nur Unternehmern und Politikern, passieren ständig Fehler. Wir brauchen eindeutig ein System, das uns vor uns selbst schützt und uns vorsichtiger macht. Ich neige zu Ungenauigkeiten, obwohl ich weiß, dass das für mich ein peinliches Erratum bedeutet. Deshalb versuche ich, sorgfältig zu sein. Das bedeutet nicht, dass ich niemals kreativ sein werde oder niemals ein Risiko eingehe. Sorgfalt und Kreativität schließen einander nicht aus.

Wenn ich so darüber nachdenke, nahm wie so vieles in meinem Leben diese Fehler-sind-gut-Welle ihren Anfang im BWL-Studium: nur durch Fehler lerne man. In der Vorlesung hieß es: Je besser jemand ist, desto mehr Fehler begeht er – denn desto mehr wird er ausprobieren. Mein damaliger Professor selbst würde niemals jemanden seiner Absolventen in eine Spitzenposition empfehlen, der keine Fehler begangen habe, schreibt er. Andernfalls könne er sicher sein, dass er es mit Mittelmäßigkeit zu tun habe. Schlimmer noch: Wer keine Fehler begangen habe, habe auch nicht gelernt, sie im Voraus zu erkennen. Das klingt gut und schlüssig. Denkt man aber genauer darüber nach und vergleicht diese Worte mit dem richtigen Leben, stellt man fest, dass schon mein ehemaliger Prof falschliegt. Erstens ist es nicht unbedingt ein Zeichen für kreatives Experimentieren, wenn man eine Menge Fehler begeht. Es ist durchaus möglich, permanent Mist zu bauen und zugleich ein konservativer Ewiggestriger zu sein. Den Chefs, die ich kennengelernt habe, sind die meisten Fehler eher aus Dummheit, Inkompetenz und Eitelkeit unterlaufen als aus Abenteuerlust.

Jeder anständige Firmenchef stimmt mir in diesem Punkt zu. Der aufgeklärte Manager allerdings ermutigt seine Mitarbeiter, Mist zu bauen, weil er das als Produkt schöpferischer Begabung erachtet. Fällt ein Mitarbeiter auf die Nase, wird er nicht gerügt, sondern es wird ihm zu Ehren eine Party ausgerichtet.

Und der zweite große Trugschluss ist m.E. der, dass wir aus unseren Fehlern lernen. Es gibt keinen Beleg dafür, dass Unternehmer, die beim ersten Mal gescheitert sind, beim zweiten Mal mehr Erfolg haben als diejenigen, die gerade erst anfangen. Auch ich persönlich lerne fast nie aus meinen Fehlern. Aber das macht mich zum Menschen. Was immer mich dazu gebracht hat, den betreffenden Fehler beim ersten Mal zu begehen, bringt mich auch dazu, ihn aufs Neue zu begehen. Tatsächlich fällt mir nur eine Situation ein, bei der ich aus einem Fehler gelernt habe. Auf diese Weise zu lernen ist eine wenig empfehlenswerte Überreaktion.

Fragt man befreundete Unternehmer nach ihrem größten Fehler, gestehen fast alle etwas Lächerliches ein. Ich erinnere mich an einen Firmenchef, der sagte, sein größter Fehler bestehe darin, Leute dazu zu bringen, Jobs zu erledigen, die ihnen nicht gefallen. Das ist der lahmste Fehler, von dem ich je gehört habe. So jemanden würde ich auf keinen Spitzenposten befördern – aber nicht, weil er nicht genügend Fehler vorzuweisen hat. Wer so etwas als seinen schlimmsten Fehler bezeichnet, ist einfach ein Lügner.

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Der Beitrag wurde am Samstag, den 6. März 2010 um 10:19 Uhr veröffentlicht und wurde unter Innenansicht abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
 
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