5. März 2010 von LelaAnderson (27 Posts)322 mal gelesen
Als moderne Heidin weiß ich, dass es ein großer Fehler sein kann, Kindisches abzulegen. Ich bin froh, dass ich nie mein Taufgeschenk, den Stoffpandabären, weggeworfen habe, und ich habe auch nie meine Liebe zu Maltesern aufgegeben, die mir jetzt viel Trost spenden. Dafür habe ich Lakritzbrunnen aufgegeben, Angel Delight und Cindy-Puppen, für die ich keine Verwendung mehr habe. Wie dem auch sei, was man aufgibt und was nicht, ist eine persönliche Entscheidung. In der vergangenen Woche bspw. bin ich auf vier kindische Dinge gestoßen, die beseitigt wurden; die ersten beiden waren überflüssig, die anderen beiden aber wertvoll und ihre Aufgabe ein echter Verlust. Die erste Verbannung geschah in meinem eigenen Kopf: Ich will mich ökonomisch nicht mehr wie ein Kleinkind benehmen und alle anderen imitieren. Seit Februar habe ich völlig rückgratlos mein Portemonnaie geschlossen gehalten, nur weil alle anderen das auch zu tun schienen. Heute habe ich mich zu einem heftigen kontrazyklischen Ausgabenverhalten durchgerungen.
Insbesondere habe ich mich dafür entschieden, unser gesamtes verlottertes Haus zu renovieren. Dafür wurde ich mit einer Reihe westfälischer Baufirmen belohnt, die alle vernünftige Angebote machten und gleich mit der Arbeit anfangen wollten. Für Leute wie mich, die noch immer Arbeit haben, ist Geldausgeben nicht nur ein Zeichen von Reife, es ist vernünftig, befriedigend und angesichts der Macht des Keynes’schen Multiplikators moralisch geboten.
Für mein Verhalten trifft eine Variante von Vaters Zitat aus dem Korinther-Brief zu: “Als ich ein Kind war, sprach ich wie ein Kind. Jetzt da ich ein Mann bin, habe ich das Wörterbuch weggelegt und denke es mir nach und nach neu aus.”
Vermutlich wollte Papa damals auch jenseits der Spielzeugregale etwas bewegen und sagen, wir sollten aufhören, uns wie Schwächlinge, Clowns und Einfaltspinsel zu benehmen. Da bin ich ganz auf seiner Seite. Wenn er aber meinte, dass wir alle anderen kindlichen Wesenszüge ablegen sollten, inklusive unseres Drangs, die Wahrheit zu sagen, egal wie verletzend sie ist, kann ich ihm heute kaum mehr zustimmen. Es war ein Kind, das darauf hingewiesen hat, dass der Kaiser keine Kleider anhat. Ebenso wenig sollten wir den kindlichen Blick auf den eigenen Job aufgeben. Wie Heraklit sagte: “Wir sind uns selbst am nächsten, wenn wir die Ernsthaftigkeit eines spielenden Kindes erreichen.”
Die nächste kindische Sache, die allerdings zu Recht abgeschafft wird, sind Schulungskurse. Die Hälfte aller deutschen Unternehmen in dieser Krise setzt die Axt an ihre Managementtrainings an, was bedeutet, dass ihre Mitarbeiter nicht mehr im Namen der Teamentwicklung Puppen herzen und barfuß in Marmelade herumstapfen werden. Obwohl diese Entwicklung zu begrüßen ist, liegt hier noch Arbeit vor uns. Gerade erst bin ich zu “OWLs erster Charisma-Masterklasse” eingeladen worden.
Zu viel Kindlichkeit wurde auch aus Unternehmen verbannt. Meine Geschäftsleitung strapaziert bei Meetings diese Woche einige der am wenigsten attraktiven Merkmale des Erwachsenseins: Selbstherrlichkeit, Langatmigkeit und die Fähigkeit, stundenlang, ohne zu zappeln, in Sessions zur sozialen Verantwortung von Unternehmen durchzuhalten. Das Tragischste aber ist, dass Zuhörer und Mitarbeiter unser Abteilung die kindliche Art abgelegt haben, einfache Dinge auf einfache Weise zu sagen.













Bring die Sache ins Rollen, und füll das untere Formular aus.