21. Februar 2010 von GT_Schlaumeier (33 Posts)399 mal gelesen
Eigentlich müssten das Wasser und ich dicke Freunde sein - schließlich bin ich Sternzeichen Fische. Aber irgendwas ist da schiefgelaufen bei der Verteilung der kosmischen Kräfte. Das Unglück begann, als ich vier Jahre alt war und meine Mutter mir im Nordseebad von Neuharlingersiel einschärfte, brav im Flachen zu warten, während sie ein bisschen schwimmen geht. Hab ich natürlich nicht gemacht. Bin meiner Mama nachgetapert und wäre fast hinter ihrem Rücken abgesoffen. Später dann die Nachmittage im Waldfreibad Emsdetten: “Hey, da ist der Sötebier, den döppen wir!” (für alle Nichtwestfalen: “Döppen” heißt unter Wasser drücken). Unsportliche Brillenträger sind leichte Opfer. Ich tat also den Teufel, mich mit dem Wasser anzufreunden, geschweige denn, es anders als in einem Sicherheitsbruststil zu bezwingen. Schmetterling hat für mich zwei bunte Flügel, Delfin heißt Flipper und kraulen kann ich Hunde. Meine Antipathie wurde endgültig zum Trauma, als mein Sportlehrer mich als Einzigen in der Klasse die Kraulstrecke per Brustschwimmen zurücklegen ließ.
Das alles sage ich Torben lieber nicht. Erstens sind diese Dinge sehr lange her. Zweitens ist er Schwimmtrainer und kein Psychotherapeut. Drittens hat er ein beeindruckend breites Kreuz, aber das muss wohl so sein, wenn man seit seinem fünften Lebensjahr sechsmal die Woche trainiert hat.
Torben lässt mich im Becken des Fitnessklubs erst mal einige Bahnen brustschwimmen. Dann soll ich ihm vorkraulen. Okaaay. Tief einatmen, nicht ans Schulschwimmen denken, wo immer alle am Beckenrand standen und grinsten, während ich wie eine tote Ente … und der Lehrer mitleidig … egal. Ich stürze mich also ins Wasser, schlage mit den Armen auf die Oberfläche ein und paddele wie irre mit den Beinen. An Torbens Gesichtsausdruck sehe ich, dass ich alles falsch mache, was man beim Kraulen falsch machen kann.
Die nächsten zehn Minuten verbringt er damit, mir zu erklären, dass ich immer das rechte Bein nach außen drehe und deshalb nicht vorwärtskomme. Während er das tut, liege ich mit gestreckten Armen auf einem Schwimmbrettchen und frage mich, warum es sich so anfühlt, als bewegte ich die Beine mega-gerade, während Torben darauf besteht, dass ich es nicht tue. Gerade als ich einsehen will, dass die Deppen von früher wohl recht hatten, kommt meinem Trainer der rettende Einfall: “Halt mal die Luft an und dich an meinem Arm fest, streck dich ganz lang im Wasser, und dann paddel mit den Füßen.” Und siehe, es geht.
Die Armbewegung klappt dann sogar sofort, und als ich nach anderthalb Stunden zum ersten Mal richtig kraule, fühlt es sich ein klein bisschen so an, als schösse ich wie ein Pfeil durchs Wasser. Nur das Atmen muss Torben mir noch beibringen – sonst kann ich leider nur sehr kurze Kurzstrecken schwimmen.













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