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8. Februar 2010 von Autoselbsthilfe (7 Posts)
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Menschen nach ihrem Äußeren zu beurteilen würde meiner neuen Kollegin nie in den Sinn kommen. Dazu verwechselt sie sie einfach zu oft. In der Zeit der Standesgesellschaft war es relativ schnurz, ob man gern die Arbeit verrichtete, die einem der Herr in seiner unergründlichen Weisheit zugeteilt hatte. Auch an der Funktionsbezeichnung gab es nichts zu rütteln, der Schmied war ein Schmied und der Zimmermann ein Zimmermann und der Einfachheit halber hieß man dann auch mit Nachnamen so bis zum letzten Atemzug. Der moderne Mensch aber hadert gern mit seinem Tagwerk, und wenn er nichts dran ändern kann, hübscht er es verbal auf.

Namen tauschen ihre Besitzer, Gesichter verschwimmen zu konturlosen Flächen. “Marion, das klingt für mich einfach genauso wie Maike”, sagt sie dann. Das ist nicht für alle Betroffenen lustig. Wenn die Kollegin den einen Büronachbarn mit dem Namen des anderen anspricht, quält der sich immerhin ein Lächeln ins Gesicht. Weniger gut hält sich der Abteilungsleiter, wenn sie ihn fragt, ob er mal eben den Papiermüll in den Container räumen kann. Oder den 80-Euro-Haarschnitt der einen Kollegin für die hausgemachte Fön-Frisur der anderen hält.

Auch die Führungskräfte unserer Krankenkassen hadern mit ihrer Arbeit, nur ungern haben sie mit Kranken zu tun. Manche denken sich Namen wie “Gesundheitskasse” aus. Schließlich heißt in den USA die Krankenversicherung auch “Health Care”, was passt, weil da die meisten Kranken keine haben. Übel nehmen will ihr das natürlich aber keiner. Aber ärgerlich ist es doch. Schließlich ist einer unverwechselbarer als der andere. Der Chef schmückt jedes einzelne seiner asphaltgrauen Jackets mit signalfarbenen Krawatten, die er in der Kantinenschlange als Aufhänger zum Small Talk nutzt (“Nein, das sind keine Sumoringer, das sind Elefanten.”). Der Abteilungsleiter schleppt zu Konferenzen ein Arsenal elektronischer Kommunikationsgeräte mit, deren Klingeltöne und Schutzfolien er selbst gestaltet hat. Und die Bürokollegen checken noch vor der Arbeit ihre Outfits auf größtmögliche Farbunterschiede ab.

Dieses würdelose Schauspiel sollte uns gemahnen, euphemistische Bezeichnungen unserer Arbeitsstätte zu unterlassen und die Dinge beim Namen zu nennen. Sollten dabei des Öfteren die Begriffe “Galeere”, “Sklavenhändler” und “Irrenhaus” fallen, gebietet uns schon die Selbstachtung Reaktionen jenseits der Verbalkosmetik. Die Kollegin hat aufgegeben. Sie zieht es nach China. Dort, sagt sie, sehen wenigstens nicht alle gleich aus.

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Der Beitrag wurde am Montag, den 8. Februar 2010 um 15:52 Uhr veröffentlicht und wurde unter Buntes abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
 
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