30. November 2009 von JoannaLanzenberger (5 Posts)282 mal gelesen
“Live unbuttoned” (“Sei nicht zugeknöpft, sei frei”) heißt es in der Jeansreklame. Welch Fehltritt. Denn der Durchschnittsdeutsche, der diese Hose, dieses Stoff gewordene Freiheitsversprechen kaufen soll, versteht die Botschaft falsch. Mit “Lebendig angeknöpft”, “Leben ohne Knöpfe” oder anderen sinnfreien Phrasen übersetzten 86 Prozent der Befragten den Slogan. Dabei soll der Werbeslogan soll ein Lebensgefühl vermitteln. Er soll die Sehnsucht nach Ungezwungenheit ausdrücken, nach einem selbstbestimmten Dasein, das erst durch die richtige Jeans greifbar wird – eine Levi’s 501 muss es sein. So Begriffe eben wie “dönieren” (Döner essen), “aufbitchen” (schminken) oder “Bionadebourgeoisie” (Szeneviertel-Bewohner).
Mit diesem Verständnisproblem ist Levi’s übrigens in bester Gesellschaft, bei Botschaften aus englischen Werbeslogans. Im schlimmsten Fall versteht der Kunde das Gegenteil der intendierten Botschaft.
So übersetzen viele meiner Freunde den Braun-Slogan “Design Desire” (“Gestalte dein Verlangen”) mit “Gestaltungsunglück”, was nicht unbedingt zum Kauf der Elektrogeräte einlädt. Der Fantasiebegriff “World’s Pleasure Authority” (“Weltbehörde für Genuss”) für das Langnese-Eis Magnum verdirbt als “Behörde für Bittsteller” den Appetit. Ebenfalls kryptisch erscheint Internetnutzern offenbar der Slogan des beliebten Videoportals YouTube: “Broadcast Yourself” dichtete ein Befragter schlicht in “Mache deinen Brotkasten selbst” um.
Immerhin, einige Unternehmen haben nach den niederschmetternden Erkenntnissen wieder auf die deutsche Sprache umgesattelt. Die Parfümeriekette Douglas wirbt nun mit “Macht das Leben schöner” anstatt dem flächendeckend missverstandenen Satz “Come in and find out”. Andere Firmen bleiben gleich bei deutschsprachigen Slogans. Zugegeben: nicht immer. Aber immer öfter.













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