26. August 2009 von JWD (148 Posts)159 mal gelesen
In der Voodoo-Kultur ist es üblich, Puppen oder Bilder von Feinden mit Nadeln zu stechen, in der Erwartung, den realen Menschen damit Schmerzen zuzufügen. Dass Bilder Stellvertreterfunktion für Menschen übernehmen, ist auch in Europa nicht unbekannt. Dass auch Politikerporträts zu solchen Aktionen provozieren, hängt nach Meinung vieler mit der Inhaltsleere ihrer Aussagen zusammen. “Diese Plakate vermitteln nichts mehr. Was sollen zum Beispiel 37 hintereinander aufgestellte Porträts mit der Aufschrift: ,Münte kommt’?” – die unterschiedliche Parteien haben dieselben Begriffe so lange gebraucht, bis sie restlos abgenutzt und inhaltslos waren.
“Die kleine Rache des Souveräns”. So heißt eine Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe mit manipulierten Wahlplakaten, die der Fotograf F.C. Gundlach im Lauf von drei Jahrzehnten fotografiert hat und die ich gestern in Hamburg besuchte.
Mein persönliches Fazit: Die meisten Manipulationen gab es stets in besonders emotionalen Wahlkämpfen wie 1972 bei der Konfrontation zwischen Brandt und Barzel oder 1980, als Franz Josef Strauß für die Union kandidierte. Den diesjährigen Wahlkampf halten viele dagegen für wenig ergiebig. Erst das freizügige Lengsfeld/Merkel-Plakat hat ein bisschen Schwung in die Sache gebracht…..
Denn die meisten „Täter“ bleiben stets anonym, meist kommen sie im Schutze der Nacht, um Wahlplakate zu übermalen, zu überkleben, zu zerreißen oder mit manchmal wütenden, manchmal banalen, oft aber auch geistvollen und nicht selten entlarvenden Kommentaren zu versehen. Legal ist das nicht, nach Paragraf 303 Strafgesetzbuch wird dieser kreative Umgang mit politischen Botschaften als Sachbeschädigung verfolgt und mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe geahndet.
Oft genügt jedoch schon die Veränderung eines einzigen Buchstabens, um die Aussage eines Plakats in ihr Gegenteil zu verkehren: Bei einem CDU-Plakat “Damit es weiter aufwärts geht”, wurde so: “Damit es weiter abwärts geht”. Auch die Aussagen von Dr. Gerhard Schröder mit seiner Frau Doris auf dem Wahlkampf-Plakat oder Aussage der PDS legen den Schluss nahe: Alles schon mal da gewesen, Themen wie Schule statt Kampfeinsätze im Ausland oder Arbeit für Alle – für ein soziales Europa.














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