23. Juni 2009 von SHK-Entfruster (11 Posts)252 mal gelesen
Beim Ausmisten im Büro – simplify your life, Sie wissen schon – stieß ich kürzlich auf die deprimierendste und überflüssigste CD der Tonträgergeschichte. “Nie mehr allein” heißt sie und verspricht “62 Minuten Zweisamkeit”.
Was sich wie eine Drohung, nach akustischem Waterboarding anhört, machte mich bei Grill und Rotwein unangenehm nachdenklich.
Mit 15 Titeln will der Silberling Leben ins sterile Penthouse bringen. Ob Zeitung lesen, staubsaugen, “eine rauchen”, Hemden bügeln, (Steh-?)pinkeln oder “Ein Roastbeef in die Pfanne hauen” – es rappelt und rumpelt und knistert und klappert und zischt aus den Boxen, als würden sich zig Poltergeister zur Housewarming-Party treffen. Nur Kindergeschrei, Hundegebell sowie ein handfester Ehekrach fehlen leider, aber dafür hat man ja reale Nachbarn.
Vermutlich ist der Geräusche-Sampler, wir erinnern uns an Airport-Durchsagen für clevere Seitenspringer, bloß die Scherzscheibe eines irre coolen Independent-Labels. Ich frage mich bloß, wie debil oder bekifft ein Single sein muss, um eine CD einzulegen, auf der lautstark abgewaschen wird, und dann zu glauben, in der (leeren) Designerküche wäre jemand fleißig …
Mit Stille und Einsamkeit ist es einfach wie mit Naturlocken: Wer sie hat, könnte gut drauf verzichten, wem sie fehlen, der würde dafür töten. Im übertragenen Sinn natürlich. Und spätestens, wenn der nahende Sommerurlaub im Schützengraben familiärer Altlasten gipfelt – “Deine Mutter hätte niemals Beige zu unserer Hochzeit tragen dürfen!” -, wünscht man sich insgeheim eine “Silent Home, Holy Home” …
Machen Sie es sich nett – egal bei wie viel Dezibel.













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