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22. Februar 2009 von Landeshauptmann (28 Posts)
740 mal gelesen

(Ø 3,75)12 Stimme(n)

Na ja, ich habe eben kein Problem mit englischen Wörtern in der deutschen Alltagsprache. Warum immer dieser Zwang zum Übersetzen? Haben Sie schon einmal im Internet das Programm Adobe Acrobat Reader heruntergeladen? Wörtlich übersetzt würde es Lehmziegel Seiltänzer Leser heißen. Wer lädt so etwas herunter? Ähnliches gilt für Facebook. Niemand klickt bei Gesichtsbuch. Der Satz „Ich habe viele Freunde im Gesichtsbuch“ würde in der Runde bei Kaffee und Kuchen eigenartig klingen.

Dank Facebook bin ich auch ein Detektiv. Wie der gerissene Matula im Fernsehen. Was wurde aus Brigitte? (Nachname: Siehe Datenschutzgesetz für das auf Papier gedruckte Wort.) Eingabe – nichts. Richtig, sie hat geheiratet. (Leider.) Jetzt, da steht etwas. Lebt in Minneapolis/St. Paul, MN. Das Bild? Nein, das ist nicht die (in dem Fall ist die kursive Hervorhebung sehr wichtig) Brigitte. Also kein Eintrag?

„Wo?“ würde es heißen. „Im Geschichtsbuch? Hast du noch Albträume aus der Schulzeit?“ Also Facebook. Weil Facebook eben Facebook ist, lasse ich also ab sofort die Schreibweise in kursiv weg. Auch ich bin seit einigen Tagen im Facebook, dem „sozialen Netzwerk“ im Netz. Gleich nach dem Registrieren hatte ich die Daten meines Bruders und eines Kollegen mit identem Anfangsbuchstaben des Familiennamens auf dem Bildschirm. Ungefragt. Das wird lustig, dachte ich. Im Facebook fährt der Datenschutz in einer Geisterbahn hurtig Achterbahn.

Brigitte war sonst immer dem Zeitgeist um den Hauch ihres Atems voraus. Vielleicht ist sie deshalb nicht unter ihrem richtigen Namen zu finden. Sie spioniert anonym andere aus. Leute, die so naiv sind wie ich und die Registrierung wie ein amtliches Dokument behandeln. Immerhin, es gibt Hoffnung. Denkt sie eines Tages an mich, wenn sie vom Ehemann verlassen im Facebook wahre Freunde sucht?

Blöd nur, dass im Facebook jeder schnell einmal ein Freund oder eine Freundin ist. Da kann Brigitte schnell den Überblick verlieren. Zwischenfrage: Warum sind wir alle im Facebook keine Friends? Das mit Brigitte war also (wieder) nichts. Aber Matula bleibt aktiv. Der Schritt zur Vollkommenheit im virtuellen Leben wäre mein Face im Book. Soll ich? Mein Antlitz den Facebook-Usern auf allen Kontinenten schenken?

Bevor das Bild ins Netz kommt, werde ich es bearbeiten. Mein Charakterkopf bekommt eine Perücke verpasst. Das schafft das Computerprogramm und es passiert nicht aus Eitelkeit. Brigitte soll sich nicht erschrecken. Eines Tages.

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Der Beitrag wurde am Sonntag, den 22. Februar 2009 um 19:58 Uhr veröffentlicht und wurde unter Internet & Technik abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
 

Es ist noch nicht lange her, da haben die meisten Amerikaner über die Datenskepsis der Deutschen gelacht. Ein Land, in dem man ohne Probleme nackt in die Sauna geht, aber gleichzeitig Angst hat, seine Urlaubsfotos und Konsumwünsche im Internet zu präsentieren, schien ihnen suspekt.

Facebook und Google eint der Versuch, die Grenze zwischen dem, was privat, und dem, was öffentlich sein sollte, in der Wahrnehmung der Nutzer Stück für Stück zu verschieben. Abzulesen ist das in den sich ständig verändernden Standardeinstellungen der Nutzerkonten. Sicher, theoretisch kann jeder diese Einstellungen wieder ändern, doch genau das ist mittlerweile so kompliziert geworden, dass es die meisten Nutzer überfordert.

 
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