19. Februar 2009 von SdC (15 Posts)220 mal gelesen
So mancher Kunde, der mit seinem Girokonto ins Minus gerutscht ist, kommt ins Grübeln. Er zahlt heute mehr Überziehungszinsen als noch vor sechs Monaten. Und das, obwohl die EZB den Leitzins mehrfach gesenkt hat. Dass das Rettungspaket der Regierung ab dem dritten Quartal anfängt, seine Wirkung zu zeigen, ist wahrscheinlich. Aber warum dieses Paket eine Trendwende einläuten soll, ist den meisten Menschen überhaupt nicht klar. Zum einen ist die Größe des Pakets immer noch klein, gemessen an der Stärke des Abschwungs. Darüber hinaus ist diese Krise keine deutsche, sondern eine globale. Viele Firmen verzichten aber auf Betroffenheitslyrik und rufen zum fröhlichen Krisenkonsum. Schließlich liefert der Staat mit seinen großzügigen Rettungsversuchen eine Steilvorlage.
Mich erinnert die Situation an einen Dialog im Action-Thriller “Speed”. Dort antwortet Keanu Reeves auf die Frage, was einen Personenaufzug beim Absturz aus dem 30. Stock noch aufhalten könnte: “Der Boden.” Offenbar können Kunden über Rezessionsgags noch lachen, zumindest solange sie nach Heinz Erhardt klingen: “Hast du die Krise gesehen? Mann ist die dick geworden”, steht auf einem T-Shirt. Der Spaß hört aber da auf, wo es um die Existenz geht.
“Liebe Banker, viel Spaß bei der Talfahrt!”, bewirbt aktuell Sixt die Miet-Geländewagen. Die Baumarktkette Praktiker bezeichnet – wie üblich – ihre Niedrigpreise als Konjunkturpaket. Burger King gräbt die von der Politik schon wieder verworfenen “Konsumgutscheine für alle” aus – als Rabattmarken für seine Buletten. Besonders die Abwrackprämie wird begeistert aufgenommen. Vom Oldenburger Herrenausstatter bis zum Vibratorproduzenten: Alle rufen sie zum Wegschmeißen und Neukaufen auf.
Der Aufschwung wird auch nicht deswegen kommen, weil man ihn voraussagt, sondern nur wenn Menschen einen konkreten Anlass dafür sehen. Der Trick besteht darin, die Menschen dazu zu bekommen, ihre Erwartungshaltungen zu verändern. Das ist harte Arbeit. Das Argument, man müsse aber doch vermeintliche Schlüsselindustrien stützen, ist dazu noch höchst dubios. Aber selbst wenn man sich auf diese Logik einlässt: Die deutsche Autoindustrie ist nämlich beispielsweise auch ohne Opel stark.
Nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers und der darauffolgenden globalen Finanzkrise sollte es doch klar gewesen sein, dass jetzt ein starker Abschwung bevorsteht. Das erste Konjunkturpaket im Oktober war angesichts der schon damals sich abzeichnenden Bedrohung ein Witz. Wenn Menschen und besonders Politiker, keine Ahnung von Wirtschaft haben, dann zitieren sie oft Ludwig Erhards berühmten Ausspruch, Wirtschaft sei zu 50 Prozent Psychologie. So verzichten immer mehr Firmen auf profitable Investitionsprojekte. Im Kampf um kurzfristige Liquidität opfern sie langfristige Wertsteigerungen. Bemühen sich die Firmen erfolgreich um frisches Geld, legen sie es auf die hohe Kante. Doch darunter leiden die Investitionen – eine echte Existenzbedrohung. Vor allem aber sollte er vermeiden, Erhard überzustrapazieren. Während Erhards Zeit in Wirtschaftsministerium und Kanzleramt gab es keine Rezession und keine Finanzkrise. Es waren nicht nur goldene Zeiten für Deutschland, sondern für die gesamte Weltwirtschaft. Deutschlands Politiker scheinen sich aber schon so an die Retterrolle gewöhnt zu haben, dass sie sich reflexartig überall, wo es klemmt, zum Ansprechpartner machen. Diese Entwicklung darf so nicht weitergehen….
Das Karrierenetzwerk Xing veröffentlichte ein Onlinespiel, bei dem gefeuerte Arbeitnehmer aus Hochhausfenstern flogen und nur durch einen Xing-Fallschirm gerettet werden konnten. Als Retter in unsicheren Zeiten will sich das Netzwerk aber weiterhin verkaufen. “Schneller zum nächsten Job”, verspricht die neue Kampagne. Einer der Slogans: “Papa, was heißt Insolvenzantrag?”
Ob Toskanahäuser oder Bankenrettungspläne – die Italiener machen uns vor, wie es geht. Aber darum geht es sicherlich mal in einem anderen Blog-Beitrag….













Die Wirtschaftsnachrichten verbreiten die Apokalypse ja pur: Finanzkrise, Abschreibungen, Gewinnberichtigungen, schrumpfende Absatzzahlen, Kurzarbeit, drohende Entlassungen.
Und der Bundeswirtshcaftsminister verläßt fluchtartig sein Amt.
Diese Liste der schlechten Nachrichten und Schwarzmalerei lässt sich doch beliebig fortsetzten.
WO aber sind die Optimisten? Gibt es nur Hochkonjunktur für Pssimisten und Alarmisten?
WER wendet den Blick nach vorn? Wo sind die Politiker, die Zukunfstfelder aufzeigen?!!!
Bei Unternehmen wie Opel oder Schaeffler geht es ja nicht um eine geordnete Abwicklung, sondern um eine Restrukturierung mit ungewissen Erfolgsaussichten.
Wenn diese künftig unter der Aufsicht und mit den Geldern eines staatlichen Insolvenzverwalters stattfinden soll, der in Wahrheit nur als Insolvenzvermeider dient, dann sind massive Wettbewerbsverzerrungen und eine scharfe Politisierung der Wirtschaft die Folge.
Es ist verständlich, dass einige Politiker enttäuscht sind, wenn sie jahrelang für ein Projekt arbeiten, mit dem sie sich profilieren wollen und am Ende feststellen müssen, dass keiner dieses Retttungspaket bezahlen will!
Es ist aber verwunderlich, dass von einer “breiten Bürgerbeteiligung” gesprochen wird – mir kann doch keiner erzählen, dass diese Leute von den jetzigen gigantischen Plänen der Banken + Wirtschaft auch nur den Hauch einer Ahnung hatten. Denn die wurden ja jetzt erst auf den Tisch gelegt – fertig zur Umsetzung – und das möglichst schnell.
Es wird in der Tat ein sehr schwieriges Jahr. Darauf sollten sich die Menschen einstellen. Die Krise hat in Amerika begonnen und breitet sich nun über den Globus aus. Nicht nur in Deutschland und Europa, auch in Japan und den Schwellenländern wird die Situation immer schwieriger. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir die Probleme in den Griff bekommen. Wir können sogar gestärkt aus dieser Krise hervorgehen. Eines ist für mich klar: Mit Pessimismus werden wir die Probleme nicht lösen.
Kapitalismus ist ein schillernder Begriff mit einem starken ideologischen Bezug. Im Hinblick auf Europa spreche ich lieber von sozialer Marktwirtschaft. Und dazu gibt es keine bessere Alternative. Die deutsche Ausprägung der sozialen Marktwirtschaft gefällt mir besonders. Dass sie gescheitert sei, kann man nun wirklich nicht sagen. Was wir brauchen, sind offene, wettbewerbsfähige und soziale Marktwirtschaften mit einem vernünftigen Grad der Regulierung. Genauso wie offene Gesellschaften Rechtsstaatlichkeit brauchen, brauchen offene Wirtschaftsordnungen Regeln und Prinzipien.