21. Dezember 2008 von RobertKlasfauseweh (33 Posts)175 mal gelesen
Ich möchte endlich Ordnung bringen mein Chaos aus Affären und Liebschaften? Das geht – wenn man wie ich, Verhaltensweisen von Haifischen übernimmt. Ein Hai als Knutschpartner? Nicht direkt die erste Wahl, wenn auch besser als ein ewig grinsender, ständig keckernder Delfin. Leider hat ein Hai ein eher aggressives, nicht unbedingt liebenswertes Image.
Ich war dies Jahr einfach ein überforderter Galan und habe nach dem Vorbild des Haigebisses mein Liebesleben organisiert: Der Hai hat nämlich ein klassisches Revolvergebiss. Er besitzt mehrere Zahnreihen, die hintereinander in seinem Kiefer sitzen: eine aktive Reihe, mit der er zubeißt, und passive Reihen. Sobald ein aktiver Zahn abbricht oder sonst wie verloren geht, rückt ein Zahn nach. Auf meine Organisation von Liebeleien bezogen heißt das: Wer sich neben der aktuellen Flamme noch ein paar Anwärter (oder Anwärterinnen) platonisch warmhält, ist auch bei akutem Gespielen- oder Gespielinnenverlust bestens versorgt. Schließlich sind Haifischzähne nicht durch Wurzeln im Kiefer des Tieres verankert, sondern nur mit Bindegewebsfasern notdürftig befestigt.
Wie jede ordentliche Strategieanalyse formuliert auch meine Haifischstrategie zunächst einmal den Sollzustand: Meine Affärenziele: Sex, emotionale Nähe, minimaler emotionaler Stress, Abwechslung im Menüplan, minimaler Aufwand. Was ist das Optimale für mich? Von leichtfertigen “zukunftsbezogenen Absichtserklärungen” werde ich demnächst nämlich lieber absehen. Allerdings ging es mir 2008 hierbei nicht um einen “Harem, so groß wie Russland”. Ich denke einmal an Bier. Auch wenn ich ausreichend Vorrat zu Hause habe, verbrauche ich doch stets einige Flaschen, die ich nachkaufen muss, um den Vorrat konstant zu halten. Allerdings finde ich das Wort Verbrauch in diesem Zusammenhang auch etwas seltsam….
Außerdem sind da noch die Rüstzeiten! In der industriellen Produktion nennt man so die Zeit, die für den Umbau einer Maschine von einem Arbeitsgang auf den nächsten benötigt wird. Beim Wechsel von einer Affäre zur anderen gibt es ebenfalls eine Umbaupause: Der Balzvorgang ist oft zeitaufwendig. Für einen leicht schrulligen Anmachspruch kassierte ich 2008 zwar eventuell erst einmal 15 Körbe – wenn ich dann aber eine Frau kennenlerne, bei der ich sage: Wow!, hat sich das Ganze gelohnt.. Statt auf wilde Akquise und Quantität sollte man sowieso lieber nach “Qualitätsaffären” streben, “mit denen man auch einen Sonntagabend verbringen möchte und für die man auch mal nachts zur Apotheke fährt”. Vor der Akquise von Büroaffären darf ich jedoch entscheidend warnen: “Ein kluger Fuchs jagt weit vom Bau.”
Neben ausreichend Training ist der Auftritt ein wichtiger Faktor bei der Affärenakquise.
Ich warne in diesem Zusammenhang besonders vor dem WHJND-Effekt – kurz für “Wir hatten ja nichts damals”. Wer sich in Zeiten des Mangels mit minder attraktiven Gespielinnen umgibt, beschädige damit fahrlässig seinen Marktwert – wird man in dieser Lage von einer potenziellen Qualitätsaffäre gesehen, fährt sie auf diesen Schrecken lieber weiter selbst zur Apotheke.
Bei der Verwaltung akquirierter Affären rate ich auch für 2009 zur streng linearen Abarbeitung: “Temporäre Treue” ist die oberste Pflicht des fairen Egoisten. Außerdem ist es auch wirtschaftlich sinnvoll, es stets bei einem einzigen aktiven Zahn zu belassen: “Bei steigendem Überschneidungsgrad wird die durchschnittliche Affärendauer immer kürzer” – die Gefahr, dass die Parallelaffären voneinander Wind bekommen, ist einfach zu groß, dazu kommt emotionaler Stress für mich – den Haifischgebissträger selbst.
Romantische Naturen, die keine Knorpelfische mögen, dürfen meinerseits dennoch aufatmen: “Affärenmanagement ist im Prinzip Beziehungssparring”. Wer seiner Affäre treu ist, obwohl er außerdem auch andere affärenwürdige Frauen kennt, geht in einer festen Beziehung auch nicht gleich fremd, bloß weil ihm einmal eine andere Frau gefällt.
Im Grunde war ich schließlich 2008, wie übrigens alle Haifischmänner auf der Suche nach der einen, einzigen Frau, die mir sogleich und für immer alle Zähne zieht.















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