20. Dezember 2008 von RobertKlasfauseweh (33 Posts)256 mal gelesen
Vielleicht haben Sie sich verliebt, vielleicht haben Sie sich getrennt. Vielleicht haben Sie sogar etwas erreicht. Doch bestimmt nicht das, was Sie sich vor einem Jahr feierlich vorgenommen hatten. Noch 11 Tage vor Jahresfrist ist es Zeit, sich aus dem dummen Geschwätz von Neujahr gänzlich rauszumogeln: Meine natürlich ernst gemeinten 11 edlen Gelübde – und wie ich sie wieder los werden könnte….. denn kurz vor Neujahr lastet sonst ein neues Paket guter Vorsätze auf meinem Gewissen. Doch damit ist jetzt Schluss.
1. Ich will nicht mehr rauchen
Der Klassiker. In Deutschland rauchen 17 Millionen Menschen, und 62 Prozent würden zu Jahresstart gerne aufhören. Dabei gibt es so gute Argumente für den Qualm: Nur als Raucher glänzen Sie durch “sozialverträgliches Frühableben”, wie es einmal der ehemalige Präsident der Bundesärztekammer, Karsten Vilmar, bezeichnete. Und auch der Gesundheitsökonom Karl Lauterbach von der Universität Köln lobt: “Raucher sterben früher als Nichtraucher, das macht viel aus.” Tabak-Konsumenten leiden seltener an Diabetes, Herz-Kreislauf-Krankheiten und Rheuma; Schlaganfälle und Lungenkrebs raffen sie zeitig dahin. Lauterbach zufolge müssten private Krankenversicherungen für Raucher sogar leicht niedrigere Tarife anbieten als für Nichtraucher. Wer raucht, entlastet das Gesundheitssystem – und hilft dem Frieden zwischen den Generationen. Denn dadurch, dass Sie acht bis zehn Jahre früher verbleichen, entbinden Sie die Rentenzahler von der Pflicht, Ihrem morschen Körper einen langwierigen Lebensabend zu finanzieren. Würden alle Menschen rauchen – wir könnten der demografischen Katastrophe ins Gesicht husten.
2. Ich will abnehmen
Auch daraus wird nichts. Nur jede 20. Diät ist dauerhaft erfolgreich. Innerhalb eines Jahres schaffen wir es kaum, die 19 vergeblichen Versuche durchzuhungern. Außerdem ist 2009 der falsche Zeitpunkt. Nicht ohne Grund verschnürt unser Körper überschüssige Kalorien effektiv in Fettpaketen. Er sorgt für schlechte Zeiten vor. Und ein Blick auf die Konjunkturprognosen lädt eher dazu ein, noch eine paar Tafeln Schokolade nachzuwerfen: Gerade mal 0,5 Prozent Wachstum sind zu erwarten, das ist ungefähr der Wert von 1929. Dazu macht Sahnetorte schlau: Das menschliche Hirn besteht zu 70 Prozent aus Fett. Denken Sie nicht an Ihren Wabbelhintern, denken Sie an Ihr schönes, schweres Gehirn.
3. Ich will aufhören zu lügen
Ich habe es schon wieder getan! Wir können und wir werden nicht aufhören zu lügen. Wissenschaftler sagen, dass der Mensch rund 200-mal am Tag der Wahrheit abhold ist. Aber sie sagen auch, dass 80 Prozent der Lügen, die wir verbreiten, dazu dienen, Menschen nicht zu verletzen und unnötige Spannungen zu vermeiden. Ehrliche Menschen sind sozial inkompetent. Wer im Restaurant Wahrhaftiges über die Qualität des Menüs verbreitet, trägt nicht zur Lösung der Weltprobleme bei, sondern schafft ein neues (dazu eines, das eigentlich schon gegessen ist). Wahrheit ist außerdem ungesund. Der Psychologe Richard Lazarus hat festgestellt, dass Kranke, die über Ursache und Verlauf einer Operation am besten informiert wurden, besonders viele Komplikationen beim Heilungsprozess aufweisen. Letztlich ist die Lüge sogar von Gott (immerhin Verfasser des Imperativs “Du sollst nicht lügen”) sanktioniert: Lässt sich im Zweiten Buch Mose nachlesen, ein paar Seiten vor den Zehn Geboten. Dort steht die Geschichte der hebräischen Hebammen Siphra und Pua, denen der ägyptische Pharao befiehlt, die Knaben ihres Volkes sofort nach der Geburt zu töten. Sie gehorchen nicht. Als sie zu Rede gestellt werden, lügen sie, dass sich die Pyramiden biegen.
“Die hebräischen Weiber sind nicht wie die ägyptischen, denn sie sind harte Weiber”, flunkern sie: “Ehe die Wehmutter zu ihnen kommt, haben sie geboren.” Der Pharao glaubt ihnen. Und was macht Gott? “Tat den Wehmüttern Gutes.” Na also. Übrigens: Sie sehen heute fantastisch aus, Glückwunsch, haben Sie etwa Geburtstag?
4. Ich will Sport treiben
Ich könnte mir genauso gut vornehmen, ein wichtiges Körperteil mit einem Hammer zu bearbeiten. Sport macht kaputt. Ein Muskelkater etwa bedeutet nichts anders als winzige Verletzungen der Muskelfasern. Und das ist das Mindeste. Schon wer ein Fahrrad besteigt, demoliert seine Potenz, fanden Forscher der Uni Köln heraus: Die Rennsättel klemmen die Blutversorgung des Penis ab. Jeder Sport hat sein Krankheitsbild: Fliegenfischer leiden am “Tennis-Ellbogen”, Fitnessstudio-Besucher zerreißen an der Kraftmaschine ihren Brustmuskel. Gemeinsam ist ihnen der Fußpilz: Er nagt an 70 Prozent aller Sportler. Dabei macht Sport auch am Kopf hässlich: 150.000 Menschen pro Jahr beschert er gruselige Gesichtsverletzungen, die meisten (37 Prozent) geschehen beim Fußballspielen. Der Fußball bringt auch am effektivsten Hobbysportler unter den Rasen. Gewöhnlicherweise plötzlicher Herzinfarkt. Dass jemand umgekommen wäre, weil er vor dem Fernseher einer Fußball-Übertragung beiwohnte, ist nicht dokumentiert. Nehmen Sie sich lieber das vor.
5. Ich will endlich treu sein
Ach, wenn wir nur könnten! Bei Männern wird schon lange vermutet, dass ihr Gen-Code sie dazu verdammt, jede Gelegenheit zu nutzen, ihr Erbmaterial zu verspritzen. Kürzlich stellte der Psychologe Steven Gangstard von der Universität New Mexico fest, dass es liierten Frauen auch nicht besser geht. Demnach nehmen weibliche Fantasien von Sex mit fremden Männern während der Tage ihres Eisprungs um 80 Prozent zu. Gangstard schließt daraus, dass auch sie der Instinkt drängt, sich ein paar propere Gene einzutüten. Ohnehin hat Untreue den Segen der Geschlechtserforschung. So weiß der Sexologe Michael Mary: “Seitensprünge bergen große Entwicklungschancen für die Liebe.” Warum, erklärt er nicht weiter, dafür fügt seine Kollegin Rotraut Perner mahnend hinzu: “Wer beichtet, will nur sein Gewissen beruhigen.” So rücksichtslos will doch niemand sein. Vorbildlich ist der Mann also, wenn er den Mund hält und seinen Seiten- mit ihrem Eisprung harmonisiert. Da hat sie ohnehin gerade Lust auf jemand anderen.
6. Ich will mehr reisen
Zu gefährlich. “Das Beste, was man von einer Reise mitbringen kann, ist die heile Haut.” Was man im Iran schon lange volksweisheitet, hat das Auswärtige Amt nun auch erkannt. Es warnt Urlaubswillige vor “terroristischen Aktivitäten” in “Südostasien, auf der arabischen Halbinsel, in Afghanistan, im Nahen Osten und am Horn von Afrika”, aber auch in “EU-Mitgliedsstaaten und Amerika”, da bleibt kaum was übrig. Wer der Ermordung entgeht, dem droht Erleuchtung: Jährlich müssen in Jerusalem 50 Touristen wegen religiöser Wahnvorstellungen behandelt werden. Das haben viele Himalaja-Reisende schon nicht mehr nötig. Von den Amateur-Bergsteigern kehrt jeder Siebte erst gar nicht vom Gipfel zurück. Und auch ein gut erprobtes Reiseziel wie Venedig birgt Risiken. Innerhalb von sieben Jahren erlitten dort 51 Besucher Selbstmord – meist in Verbindung mit Thomas-Mann-Konsum und den Buddenbrocks Film via Satellit..
7. Ich will weniger trinken
Haben Sie sich schon überlegt, wo Sie dann die im Bier enthaltenen Vitamine der Gruppen B1, B2, B6 und H beziehen wollen? Die Ihre Konzentrationsfähigkeit herstellen und die Bildung von roten Blutkörperchen unterstützen? Sie müssten stattdessen Müsli, Linsen und weiße Bohnen essen (doch, doch, da sind sie auch drin). Und überhaupt: Wollen Sie das dem Fiskus antun? Im Jahr 2008 trank jeder Deutsche durchschnittlich 125 Liter Bier, 19 Liter Wein, 4 Liter Schaumwein, 5,8 Liter Spirituosen – das war für niemanden von uns einfach, und manchmal wurde uns sehr schlecht -, aber schließlich kassierte der Staat dafür umgerechnet 3,4 Mrd. Steuern. Wozu Abstinenz führen kann, zeigt ausgerechnet das Beispiel Russland: Dort hatte der damalige Staatspräsident Gorbatschow die Idee, gegen den Alkoholismus der Bevölkerung vorzugehen und den Wodkakonsum einzudämmen. Dadurch brachen die Steuereinnahmen des Staates um etwa 20 Prozent ein. Dabei weiß man doch schon seit Jahrtausenden, dass reiche Länder immer berauschte Länder sind. Um 312 nach Christus wurden in der Metropole Rom 793 Opiumhöhlen gezählt – sie sorgten für 15 Prozent der Steuereinnahmen der Stadt. Wär’ das nicht was, Herr Steinbrück?
8. Ich will mich ausgewogen ernähren
Schöner Vorsatz – nur weiß niemand, was das bedeutet. Der verlässlichste Ernährungstipp: Mammutsteak mit Preiselbeeren. Der menschliche Verdauungstrakt hat sich vor 2,5 Millionen Jahren an das Nahrungsangebot angepasst. Und das bestand aus fettem Fleisch, Fisch, Beeren und Nüssen. Noch immer lebt unser Stoffwechsel in der Steinzeit. Der Ackerbau – und damit das Sovital- und Kürbiskernbrot – wurde ja erst vor 10.000 Jahren entwickelt. Vor 50 Jahren erfand man den Ernährungswissenschaftler – und damit das schlechte Gewissen beim Essen. So läuft in den USA seit den 70ern eine Kampagne gegen Fett als Verursacher von Herzinfarkt. Seitdem wurde dort der Markt mit 15.000 Low-Fat-Produkten angereichert. Der Fettanteil in der täglichen Nahrung sank von 40 auf 35 Prozent. Deshalb sind unsere transatlantischen Freunde aber nicht gesünder geworden, im gleichen Zeitraum vervierfachte sich die Menge der Herz-Kreislauf-Behandlungen. Dem Düsseldorfer Ernährungskundler Michael Berger bleibt denn auch nur noch zu raten: “Essen Sie, was Ihnen schmeckt.” Um das herauszufinden, ziehen Sie sich am besten nackt aus und nehmen sich einen Faustkeil zur Hand. Sie finden schon was.
9. Ich will sparen
Sparen ist keine Tugend, sondern eine Krankheit, die den Deutschen ausgetrieben werden muss, solange das Land noch nicht vollends im Morast der Rezession versunken ist. Die Sparquote beträgt hier zu Lande 10,2 Prozent (im dritten Quartal 2008), jeder zehnte Euro bekommt nie eine Ladentheke zu Gesicht. Die Amerikaner legten im gleichen Zeitraum gerade mal 3,8 Prozent beiseite. Kein Wunder, dass wir seit Jahren hinter den US-Wachstumsraten hinterherhumpeln. Konsum ist ohnehin die bessere Anlage. Wer als Kind dem Rat der Eltern folgte und die 100 DM von der Oma aufs Sparkonto brachte, hat jetzt allenfalls 66 Euro. Wer aber seinen Instinkten folgte und den Blauen in Überraschungseier investierte, um seine Sammlung der “Olympiade der Schlümpfe” zu komplettieren, hat nun Trophäen im Wert von 1500 Euro. Also kaufen Sie sich schnell einen BlueRay-Player – was der in 20 Jahren wohl wert sein mag?
10. Ich will mehr Sex haben
Sex ist zu anstrengend. Eine Umfrage des Gewis-Instituts erkannte, dass 58 Prozent der Männer und 51 Prozent der Frauen eher Stress als Spaß beim Geschlechtsakt empfinden. Deswegen lässt man es bald: Wie eine Untersuchung der Hamburger Universität besagt, schlafen nur ein Drittel der Paare, die sich länger als drei Jahren kennen, noch öfter als siebenmal im Monat miteinander. Kein Wunder, dass man nach Sex nicht süchtig werden kann. In Deutschland geben 70 Prozent der Raucher an, leichter einen Monat auf Sex verzichten zu können als auf eine Zigarette.
11. Ich will
Ich will ja gar nicht. Freier Wille, sagt die britische Gedächtnisforscherin Susan Blackmore, ist “pure Illusion”. Wir alle sind “determiniert von allem, was in uns vorgeht und was von außen auf uns einwirkt”. Was immer ich mir vornehme, Meines ist es nicht. Warum sollte ich mich also daran halten? Und sich zu viel vorzunehmen, führt der Psychologe Gieselherr Guttmann weiter aus, ist gar nicht gut: “Das Problem ist überhohe Aktivierung und Anspannung.” Entspannen Sie sich lieber. Der französische Philosoph Blaise Pascal wusste schon im 17. Jahrhundert: “Alles Unheil der Welt geht davon aus, dass die Menschen nicht still in ihrer Kammer sitzen können.” Prägnanter sagte das nur der römische Politiker Cicero: “Nichtstun erquickt.” Das stimmt seit über 2000 Jahren. Wenn Sie daran glauben, bleibt es ein weiteres Jahr wahr; 2009 wird wunderbar.













Aber natürlich bringt das kein Unglück, Vornahmen sind immerhin jederzeit möglich und erlaubt, auch 11 Tage vor dem Jahreswechsel. Ich danke herzlich für den Beitrag, betrachten Sie sich als Hahn im Korb; soweit ich mich erinnere, der erste Beitrag aus männlicher Feder bei den Blasebalgschen Wochenaktionen.