7. Dezember 2008 von Sabine_Dodt_Verl (17 Posts)182 mal gelesen
Vergessen Sie meines Erachtens gute Vorsätze. Persönliche Ziele wie Abnehmen erreicht man am besten, indem man das Versagen richtig teuer macht.
Es begann mit einem Selbstversuch unseres Vaters. Als pummeliger Rentner und nach erfolgtem Herzanfall versprach er seiner Familie, 1.000 Euro zu zahlen, sollte er nicht in einer bestimmten Zeit 10 kg abgenommen haben, umgekehrt galt das Gleiche. Sollten beide versagen, würde der, der das Ziel am wenigsten verfehlte, vom anderen das Preisgeld einstreichen. Unsere Familie verloren alle ihre Pfunde statt der Euros und wir wandelten die ursprüngliche Wette in einen “Haltevertrag” um: 1.000 Euro gehen nach wie vor an den Vertragspartner, sollte der andere ein bestimmten Kilozahl überschreiten – unangekündigte Kontrollen sind jederzeit erlaubt.
Unser Familien-Vertrag hält seit sechs Jahren. Das Konzept hat Westaflex inzwischen nun intern weiterentwickelt: Dort kann sich jedermann selbst ein Ziel innerhalb eines bestimmten Zeitraums setzen – sei es, Gewicht zu verlieren, im Fitness-Studio zu trainieren, oder aufhören zu rauchen – und sich zu einer Strafe verpflichten, sollte er es verfehlen. Einige Verträge wurden auch innerhalb Abteilungen schon unterzeichnet, mit zusammengerechnet vielen tausend Euros an Strafzahlungen bei Nichteinhaltung; denn: von der Wirksamkeit der Methode bin ich nicht nur durch persönliche Erfahrung überzeugt.
Warum wir uns wissentlich zu Dingen verführen lassen, die uns langfristig schaden, kann nämlich niemand logisch erklären. Vielleicht streiten sich im menschlichen Gehirn zwei Ichs miteinander. Das kurzfristig denkende “schlechte Ich” sagt: “Ich will Schokolade – jetzt”. Das gute: “Ich will schlanker und gesünder sein, also Finger weg von Süßigkeiten.” Das kurzfristige Vergnügen wird oft stärker gewichtet als langfristige Wünsche. Ergebnis: Wir essen Schokolade als gäbe es kein Morgen. Das “gute Ich” bekommt dafür jetzt allerdings eine mächtige Waffe an die Hand: Cash. Wer Geld aufs Spiel setzt, erhöht auch die kurzfristigen Kosten des Vergnügens.
Wie schmerzhaft ein Einknicken werden soll, können Vertragspartner selbst festlegen. Es bietet sich eine breite Palette an Sanktionen an. Sie reichen von bloßer öffentlicher Scham – das Versagen wird im Intranet veröffentlicht – bis zu Geldsummen, die der Unterzeichner gleich bei Vertragsabschluss auf einem Konto hinterlegt. Erreicht er sein Ziel, wird es ihm zurück überwiesen. Versagt er, leitet der Vertragspartner – ob Kollege, Westaflex oder Krankenkasse – es entweder an eine gemeinnützige Organisation weiter oder an eine vorher ausgewählte Person. Wer den persönlichen Anreiz zusätzlich erhöhen möchte, kann sogar im Voraus eine Empfänger-Organisation auswählen, deren Zweck er hasst – etwa Süßwarenlobbyisten.
Wer sich auf unsere Idee innerhalb der Firma einlässt, verpflichtet sich, wöchentlich einen Bericht über seinen Fortschritt zu verfassen. Ein selbst gewählter Schiedsrichter – beispielsweise ein Freund, Verwandter oder Fitnesstrainer – bestätigt ihn. Die Firma verlässt sich allerdings, falls erwünscht, auch auf das Ehrenwort der Nutzer.
Immerhin steckt Westaflex bereits Geld in Präventionsanreize wie Fitness-Checkups – ohne Kontrolle darüber zu haben, ob ihre Mitarbeiter diese dann tatsächlich nutzen. Denkbar wäre auch ein positiver Anreiz: Arbeitgeber könnten Prämien an Angestellte zahlen, die abnehmen oder aufhören zu rauchen……














Bring die Sache ins Rollen, und füll das untere Formular aus.