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7. Oktober 2008 von MajorTom (16 Posts)
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In dieser Woche habe ich schon wieder zwei Begriffe gelesen, vor denen Unbedarfte wie ich eigentlich gewarnt werden sollten: Scoring und Auction-Rate-Securities. “Gescored” werden Sie, natürlich ohne es zu merken, wenn Sie zum Beispiel einen Kredit aufnehmen, einen Handyvertrag abschließen, etwas im Versandhandel bestellen. Das heißt, die Bank oder der Händler kaufen Ihre Daten (Beruf, Familienstand, Geschlecht, Alter) bei dem Markt des legalen Datenhandels (doch, den gibt es auch) und jagen sie durch ein spezielles Computerprogramm, das ihnen sagt, ob Sie wohl bezahlen werden oder eher nicht. Dagegen können Sie nichts machen, wenn Sie die Weitergabe Ihrer Daten nicht ausdrücklich verboten haben.

Komplizierter ist das mit den Auction-Rate-Securities. Das sind Anleihen, deren Zinsen regelmäßig in Auktionen festgelegt werden. Im Februar war der Markt für diese Papiere zusammengebrochen; er umfasste zuletzt rund 330 Milliarden Dollar. Der Markt, sagen die Fachleute, hat immer recht, also wohl auch, wenn er zusammenbricht. Aber jetzt ermitteln Staatsanwälte in Deutschland und Amerika gegen Banken, die bei solchen Geschäften Milliarden verloren haben.

Bei Autos ist es einfach: Wenn der Nachbar ein neues Sportcoupé vor der Garage stehen hat, hilft ein Blick in den Katalog. Kann der sich das leisten? Und überhaupt: Warum hat man selbst kein Coupé? Ähnlich verhält es sich mit anderen Statussymbolen – nur bei Häusern wird es schwierig: Der Wert berechnet sich nach Lage, Größe, Zustand und Baujahr. Nur Makler haben hier den Durchblick – und Inserate kann man auch nicht ständig wälzen. Dabei wäre es doch spannend, den Preis des Nachbarhauses zu wissen, um die Gewissheit zu haben, dass wenigstens das eigene Haus wertvoller ist.

In den USA gibt es dafür eine Plattform aus einer Mischung aus Google Earth und Immobilien Scout, auf der sich per Luftbild und dazugehöriger Preisschätzung zahllose Anwesen für einen Kauf begutachten lassen – oder eben nur aus Interesse. Perfekte Neidmaschine und ideales Voyeurismus-Tool ist es trotzdem: Offenbar schauen Nutzer liebend gern zunächst die Häuser der Nachbarn an, dann die der Verwandten und Freunde. Die Website hat den Wert des Neidfaktors selbst erkannt und bietet für bestimmte Anwesen einen direkten Blick in den Garten: Eine Rubrik beherbergt ehemalige Nester berühmter Liebespaare: das von Demi Moore und Bruce Willis (14 462.844 $), von Jennifer Aniston und Brad Pitt (11 577.398 $) oder von Nicole Kidman und Tom Cruise (11 469.688 $). Allein das ist doch schon einen verstohlenen Blick wert.

Auf Zillow wird der Wert von Häusern geschätzt – nicht nur von denen, die zum Verkauf stehen. Langfristig sollen alle Häuser in den USA in die Datenbank, derzeit sind es schon 67 Millionen – aber Städte wie New York fehlen noch fast vollständig. Zu den meisten Immobilien gibt es sogenannte Zestimates, eine Wortschöpfung, die das Wort “Estimate” (Schätzung) und Zillow verbindet. Der Großteil der Zahlen stammt aus offiziellen Beständen, von Gemeinden und Steuerbehörden. Wertvoll werden die Schätzungen aber erst durch die Beteiligung der Plattformnutzer. Denn die ergänzen fehlende Details: Sie geben das exakte Baujahr, den Zustand des Hauses oder nachträgliche Änderungen und Einbauten an. Das lädt zur Preissteigerung ein. Aus einem neuen Waschbecken wird per Mausklick schnell die Vollsanierung des Badezimmers, die Küche neuer, als sie tatsächlich ist.

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Der Beitrag wurde am Dienstag, den 7. Oktober 2008 um 13:54 Uhr veröffentlicht und wurde unter Regionales abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
 
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