17. August 2008 von decuir (43 Posts)155 mal gelesen
Für lange Ausflüge auf Meerwasser ist unser Körper eigentlich nicht vorgesehen. Ich habe die gemeinsten Gefahren mal aufgespürt und geben erste Überlebenstipps.
Enge. Für den Neuling gewöhnungsbedürftig: Schlafentzug, fehlende Intimsphäre, feucht-muffige Betten und winzige, verstopfte Toiletten. Duschen an Bord ist Luxus, das Frischwasser rar. Beim Baden im Meer vorher den Aufstieg zurück an Bord sicherstellen – niemals sollten alle gleichzeitig ins Wasser springen. Deo und Desinfektionsspray mitnehmen: damit lassen sich manchmal sogar Schuhe retten, die tagelang nass an den Füßen kleben.
Seekrankheit. Sie erwischt fast jeden, geht aber nach einigen Tagen wieder weg – dann kann man sogar landkrank werden. Schlechte Gerüche, fettes Essen, Alkohol und Kaffee meiden. Wenn es losgeht: gut festhalten und den Horizont fixieren. Er ist der einzige feste Punkt auf See. Notfalls mitschiffs hinlegen und in den Himmel gucken. Verschiedene Pflaster, Kaugummis und Tabletten helfen. Außerdem Akupressur: gleichzeitig je drei Fingerkuppen fünf Minuten gegeneinander pressen, an der rechten Hand Daumen, Zeige- und Mittelfinger, an der linken Hand Daumen, Mittel- und Ringfinger. Einige Segler schwören auf frischen Ingwer, der in kleinen Stücken gekaut wird. Bananen essen: die schmecken rauf wie runter.
Bordfauna. Außer Kakerlaken wird man kaum Tiere antreffen. In stillen Buchten können Mücken nerven, also Repellent einpacken. Zu fliegenden Möwen nicht lange hinaufgucken: Ihr Kot kann einem das Auge verätzen. Im Wasser lauern Quallen, Seeigel, Kegelschnecken und Fische mit Rückenstacheln – beim Waten am besten immer Schuhe tragen.
Nahrung. Angelfreunde sollten sich in Küstennähe die Kandidaten für die Kombüse sehr genau ansehen: Tiere mit auffälligen Mustern und Stacheln sind oft giftig. Bei Fischen aus tropischen Korallenriffen Einheimische fragen, ob gerade die Fischvergiftung Ciguatera grassiert. Sie verursacht Ausschläge, Taubheit im Mundbereich, Durchfall, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen.
Kleidung. Wichtig ist Regenzeug mit dichten Bündchen und Kapuze, außerdem Gummistiefel. Die Hose nicht in die Stiefel stecken, sondern obendrüber hängen lassen. Darunter mehrere dünne Schichten, die vielseitig verwendet werden können. Schuhe mit hellen Sohlen – die hinterlassen keine Streifen auf Deck – und weichen Sohlen mitnehmen. Textil trocknet schneller als Leder.
Sonne. Durch die Spiegelung an der Wasseroberfläche ist die Sonnenstrahlung besonders intensiv. Sonnenbrillen mit UV-Filter schützen. Segler beachten die “Vier-H-Regel”: mit Hut, Hose, Hemd, hohem Lichtschutzfaktor. Allerdings fliegen großformatige Sonnenhüte bei Wind über Bord, feuchte Baumwolle lässt 20 Prozent der Strahlung durch, und Spritzwasser und Schweiß vermindern die Wirkung selbst wasserfester Cremes.
Skorbut. Droht kaum mehr. Gefährlicher sind Kurbeln und Seile: Eingeklemmte Finger und Quetschbrüche sind typische Seglerverletzungen. Wem ein Seil durch die Hände rutscht, der bezahlt mit Hautabschürfungen und riskiert, dass es durch die Gegend saust. Umklappende Segel haben schon Crewmitglieder von Deck gefegt. Bei Wellengang sollte man nicht gerade heiße Suppe auf dem Herd haben und Schränke vorsichtig öffnen – der Inhalt könnte einem entgegenstürzen. Während des Anlegemanövers Arme und Beine nicht über die Bordwand baumeln lassen. Springt man an Land und macht das Seil fest: beeilen. Wer die Leine in der Hand behält, wird vom Schiff ins Wasser gezogen – vor Hafenpublikum.
Lebensgefahr. Auch wenn es uncool aussieht: Schwimmwesten retten Leben. Wer ohne ins Wasser fällt, geht bei schwerer See nach einigen Minuten unter. Schiffbrüchige schließen ihre Kleidung und bedecken den Kopf. Sinkt die Körpertemperatur unter 33 Grad, wird es ernst. Unterkühlte Personen nicht bewegen, auf keinen Fall Arme und Beine massieren. Heiße Packungen auf der Brust und Tee erwärmen den Leib von innen. Bei Wassermangel niemals reines Salzwasser trinken: Es entzieht den Körperzellen Feuchtigkeit. Notfalls dürfen Süßwasservorräte mit wenig Salzwasser gestreckt werden. Ist kein Wasser vorhanden, warten Schiffbrüchige auf Regen. Oder sie fangen Fische und lutschen sie aus – der Salzgehalt der Tiere ist meist geringer als der des Wassers.
















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