25. Juni 2008 von Alltagsmenschen (34 Posts)305 mal gelesen
Jedes sechste Unternehmen hat große Probleme, Ingenieure zu rekrutieren, vor allem mittelständische Unternehmen müssen sich eine Menge einfallen lassen, um Fachkräfte so früh wie möglich auf sich aufmerksam zu machen und an sich zu binden – am besten schon im Studium, noch bevor sie überhaupt auf den Arbeitsmarkt kommen. Gleichzeitig steht das deutsche Bildungswesen vor einem nationalen und EU-weiten Streit um die Frage, welcher Berufsabschluss wie viel wert sein wird. Ein Vorschlag: Handwerker sollen mit Akademikern gleichgestellt werden.
Hintergrund des Projekts ist ein Beschluss der Europäischen Union. Bis 2010 soll danach ein “Europäischer Qualifikationsrahmen” entstehen, der die unterschiedlichen nationalen Berufssysteme verknüpfen soll. Die Neuordnung sorgt für Konflikte: Die Träger der beruflichen Bildung machen den Hochschulen die Vorherrschaft streitig, Arbeitgeber und Gewerkschaften zanken, wie kleinteilig eine Ausbildung sein darf, und Bund und Länder ringen darum, wer über die Wertigkeit entscheiden darf.
Danach soll die deutsche Bildungslandschaft künftig in acht Niveaustufen einsortiert werden, vom Hauptschulabschluss bis zum Doktortitel. Fest steht bereits: Der Bachelor bekommt das EU-Niveau sechs, der Master eine Sieben und der Doktor das Höchstniveau acht. Vergleichbar mit der era Graduierung. Vom Prinzip der ganzheitlichen beruflichen Ausbildung über die Modularisierung und Staffelung der Lehrlingsgehälter und Löhne. Ähnlich den Hochschulabschlüssen werden die Abschlüsse der beruflichen Bildung eingeordnet, wie der Facharbeiter oder Geselle. Genannt “Deutscher Qualifikationsrahmen” (DQR), einer Art Bildungsmatrix für Deutschland. Dem Praktiker reicht meist der Bachelor zum Berufseinstieg. Einen Master schiebt er notfalls später nach, wenn die Karriere es erfordert.
Wie sehen die Zukunftspläne von Abiturienten aus? Nach welchen Kriterien wählen sie ihr Studienfach aus? Deutschland hat zu wenig Akademiker. Die Hochschulen sollen sich deshalb mehr für Berufstätige öffnen und praktische Leistungen anerkennen. Mit dem Qualifikationsrahmen bietet sich jetzt die Chance, dies zu korrigieren. Die stille Reserve der qualifizierten Berufstätigen könnte helfen, die Fachkräfte-Lücke zu füllen und die Durchlässigkeit zwischen Berufsausbildung und Studium zu erhöhen. In Deutschland fördert das Bundesbildungsministerium im Rahmen der sogenannten ANKOM-Initiative Hochschulen bei der Einführung solcher Anrechnungsverfahren. Dennoch: ein Universitätsstudium ist auf wissenschaftliches Arbeiten und Literaturrecherche ausgelegt, die berufliche Bildung orientiert sich stark an der Praxis im Job. Ein Grund: Mit Bachelorstudenten lässt sich kein Geld verdienen. Weiterbildende Masterstudiengänge dagegen sind kostenpflichtig und damit eine zusätzliche Einnahmequelle. Doch diese Programme sind Seiteneinsteigern verschlossen, sie können nur Bachelorstudiengänge absolvieren.
Was bleibt: Ausbildungsgänge werden in kleinere, genau definierte Einheiten unterteilt. Beim Ausbildungswechsel können dann doppelte Module europaweit angerechnet werden. Danach sollen mit der neuen Matrix mehr junge Leute über das duale System an die Hochschulen gehen.













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