20. Februar 2008 von SdC (15 Posts)252 mal gelesen
Die Zeichen sind für Nichteingeweihte unverständlich. Graffiti-Pieces und Tags heißen die geheimnisvollen Symbole. Manche dieser Tags an den Litfaßsäulen, Bannerwerbung usw. sind aber wirklich lesbar – mithilfe eines Fotohandys. Immer häufiger finden sich auf Sehenswürdigkeiten kleine Quadrate mit pixeligem Muster – dabei handelt es sich nicht um das Werk eines subversiven Grafikkünstlers, sondern um verdichtete Informationen. 2-D-Codes, Data Matrix oder Quick Response Codes (QR) heißen die Kästchen. Sie stellen die Weiterentwicklung des herkömmlichen Barcodes dar. Und während früher Barcodes nur von Lesegeräten, etwa Kassenscannern in Kaufhäusern, verarbeitet werden konnten, haben viele moderne Mobiltelefone bereits vorinstallierte 2-D-Code-Scanner.
Immer häufiger tauchen die quadratischen Pixelfeldern auch auf Briefen der Deutschen Post auf. Heute existieren mehr als 100 unterschiedlichste 2D-Codes, mit einem Speichervolumen von bis zu 4.000 Zeichen. Manche von ihnen ähneln Bienenwaben (Bee Tagg) oder Schneeflocken (Snowflake), andere wie der vom US-Unternehmen United Parcel Service (UPS) entwickelte Matrixcode erinnern an eine Zielscheibe, und die Vielfalt erschwert eine Standardisierung. Auch wenn maschinelesbare Pixelquadrate inzwischen Abertausende von Briefen, Bord- und Konzertkarten zieren, ein wahrer Boom könnte den Minimustern erst noch bevorstehen. Auf immer mehr Plakaten, Werbeanzeigen und Visitenkarten erscheinen mittlerweile 2D-Codes in einem ursprünglich für die Automobilindustrie entwickelten QR-Format. Sie prangern auf Burger-Verpackungen oder finden sich sogar in Fernsehshows.
Statt Adressdaten mühsam einzutippen, genügt ein Klick per Kamerahandy auf den QR-Code einer Visitenkarte, und schon sind sämtliche Informationen im Handy gespeichert. QR-Codes liefern Unternehmen zudem wertvolle Daten über die Wahrnehmung ihrer Werbung. 2D-Codes werden auch physische Hyperlinks genannt, weil sie das Web mit der materiellen Welt verbinden. Durch das sogenannte Public Tagging können Wegbeschreibungen oder andere Informationen an Orten hinterlegt werden.
Per Mobile Tagging, wie der Trend heißt, lassen sich direkte Verbindungen zwischen der realen Welt und den Inhalten des Internets schaffen. Das Beispiel Wein zeigt mit „Tag your City“ mögliche Ansatzpunkte. Interessant könnte das Angebot etwa für persönliche Einladungen oder ein Jubiläum sein. Ab sofort können Briefschreiber in Deutschland Briefumschläge selbst gestalten und mit eigenem Foto auf dem Porto versehen. Kleinserien ab 20 Stück kosten bei Standardbriefen rund 36 Euro. Das neue Angebot gibt es ausschließlich über das Internet. Die neue Briefmarkenvielfalt kommt jedoch nicht bei allen Kunden gut an: Philatelisten fürchten, dann den Überblick zu verlieren. Dies erkennt der Experte daran, dass der Zusatz „Deutschland“ fehlet und lediglich „Deutsche Post“ auf dem Porto steht. Der dabei verwendete Datamatrix-Code kann bis zu 3.116 Ziffern oder 2.355 Buchstaben speichern. Selbst wenn Teile der Kodierung verschmutzt oder zerstört wurden, sorgt eine Fehlerkorrektur dafür, dass die enthaltenen Informationen dennoch nicht verloren gehen.
Zwar lassen sich mit einer etwa fünf Sekunden langen Bildsequenz bisher nur 700 Zeichen übertragen, aber auch hierfür dürften schneller Entschlüsselungsprogramme und bessere Handykameras die Datenraten steigen lassen. Zu den denkbaren Anwendungen gehören einfache Übertragungen von Nachrichten, die auf Displays in Bahnhöfen oder auf Flughäfen als 4D-kodierte Kurzfilme ablaufen. In absehbarer Zeit scheint es dann auch möglich, Klingeltöne, komplette MP3-Songs oder Handyspiele durch Fotografieren eines farbigen Musters auf ein Handy zu laden. Und das alles ganz ohne Onlineverbindung und möglicherweise hohe Mobilfunkkosten. Basis ist hier bereits der 3D-Code in einer Version mit 24 unterschiedlichen Farben, der etwa 1,8 Megabyte an Daten bereitstellen kann. Noch befindet sich Übertragungen per 4D-Code in der Erprobung – wobei die zeitliche Bildfolge als vierte Dimension betrachtet wird.
Hier können Sie es selbst ausprobieren :D
Und so funktioniert es: Man macht ein Foto von dem Pixelquadrat, und die Software decodiert das Muster, meistens eine URL. Einen Klick später zeigt das Handy die Website an, Internetzugang vorausgesetzt. Das Staatstheater Darmstadt zum Beispiel druckt 2-D-Codes auf Plakate – wer dem Link per Handy folgt, kann sich ein kurzes Preview-Video der Aufführung ansehen. Zeitungen wie die britische „Sun“ oder „Welt Kompakt“ drucken 2D-Codes neben Artikel, um den Lesern so Multimedia-Inhalte zugänglich zu machen. Durch die enorme Verbreitung von Internet-fähigen Mobiltelefonen sind die 2-D-Codes auch für den Alltag und Normalverbraucher interessant. Wer etwa den Code auf einer Lebensmittelpackung scannt, kann via Internet zusätzliche Informationen bekommen: Inhalt, Nährwerte, Verfallsdatum oder einen multimediale Rezeptidee.
Die Pet Shop Boys integrierten vergangenes Jahr einen 2-D-Code in ein Video. Immer wieder blitzte er zwischen den Bildern auf. Wer das Standbild fotografierte und dem Link folgte, landete auf einer Webseite, auf der über den Überwachungsstaat diskutiert wurde. Unter dem Pop lauerte Politik. Das ist Kommunikation 2.0.













Bring die Sache ins Rollen, und füll das untere Formular aus.