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1. Februar 2008 von Arbeitsinspektorat (10 Posts)
176 mal gelesen

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Der Milliarden-Betrugsfall bei Frankreichs Großbank Societé Générale ist das Letzte, was der gebeutelte Finanzsektor derzeit gebrauchen kann. Ganz früher nannten wir die Angestellten der Geldinstitute Bankbeamte. Damals hatten Beamte den Nimbus, treu, sorgfältig, zuverlässig und entsetzlich risikoscheu zu sein. Jérome Kerviel ist kein Beamter. Denn der Vorfall droht die Vertrauenskrise zu verschärfen, die die Branche wegen der Verluste im US-Hypothekenmarkt durchlebt. Inwieweit hat der Bankensektor seine Risiken noch im Griff?

Seit das grobkörnige Portrait wie ein Fahndungsphoto rund um den Globus ging, ist der junge Franzose schlagartig weltweit bekannt geworden. So bekannt, dass er zeitweise sogar dem allgegenwärtigen Staatspräsidenten Nicholas Sarkozy den ersten Rang in der Medienpräsenz abgelaufen hatte. „Er muss sich jetzt sehr erleichtert fühlen“, hat der ehemalige Finanz-Jongleur Nick Leeson über seinen Bruder im Geiste zu Protokoll gegeben.

Branchenkenner zweifeln deshalb daran, dass die Bank das Problem erst vor kurzem bemerkt hat. „Ein Institut wie die SocGen hat elektronische Risikomanagement- und Liquiditätskontrollsysteme, bei denen jeder Furz auffällt. Das ist selbst bei deutschen Landesbanken Standard.“ Die Liquiditätsexperten prüfen, ob Zahlungsströme an Handelspartner plausibel sind. „Um rund fünf Mrd. Euro Verluste zu produzieren, haben mindestens 20 Mill. Kontrakte Bund Futures ihren Wert komplett verloren. Und das geht nicht unauffällig, wenn jeden Tag Liquidität abfließt. Wie ein Insider erklärte, haben die fraglichen Aktienwetten im Jahr 2007 sogar Gewinn eingebracht. Der Betrüger Kerviel hat jahrelang in der Kontrollabteilung gearbeitet und gewusst, wie er das System aushebeln konnte. Typen wie Kerviel sind der Albtraum jedes Bankchefs. Viele fühlen sich fatal an den Fall Nick Leeson erinnert: Der Ex-Startrader der Barings Bank trieb die altehrwürdige Bank in den Ruin. Er veruntreute ebenfalls Millionen und kaufte damit hochspekulative Hebelpapiere, mit denen er Wetten auf den Nikkei einging, und verhob sich damit. Als seine Verluste immer höher wurden, tat er, was alle Spieler tun: Er verdoppelte und verdreifachte seinen Einsatz, um die Verluste wettzumachen. Bis er aufflog. Auch bei Leeson könnte es die Eitelkeit gewesen sein, die ihn dazu bewog.

Es ist nur eine der vielen Merkwürdigkeiten in dieser an Kuriositäten reichen Affäre. Endlich einmal im Scheinwerferlicht stehen, endlich einmal bewundert werden: Wenn es wirklich nur darum ging, dann hat Jérome Kerviel, der von früheren Kollegen im Bankenturm an der Pariser Défense als eher scheu beschrieben wird, sein Ziel ironischerweise sogar übererfüllt. Absurderweise dürfte Kerviel trotz seiner wahnwitzigen Zockereien nichts gelernt haben. Tatsächlich war Kerviel mit einem Jahresgehalt von 100.000 ein kleines Licht in seiner Abteilung. Vielleicht war es tatsächlich der Ehrgeiz, der den 33 jährigen antrieb, endlich doch in die Riege der großen Namen in seiner Abteilung zu werden. Hatnäckig hält sich deshalb auch die These vom Bauernopfer, der nun ausbaden muss, wofür andere zur Rechenschaft gezogen werden müßten. Tatsächlich hat die Staatsanwaltschaft mittlerweile ihre Ermittlungen auf größere Kreise der Bank ausgeweitet. Den Vorwurf des schweren Betruges ahben die Untersuchungsrichter nach den ersten Verhören Kerviels bereits abgewiesen. Nun ist nur noch von Fälschung und einfachem Betrug die Rede. Sollte der ehemalige Händler dafür verurteilt werden, drohen ihm bis zu drei Jahren Haft und 375.000 Euro Geldstrafe. Seiner Bank wird es die Unabhängigkeit kosten. Nach der Belohnungslogik, die heute in vielen Banken herrscht, hätte man ihn sogar befördern müssen.

Die Debatte über die Risikosteuerung der Geldhäuser dürfte damit voll entbrennen. Der nächste Vertrauenstest steht der SocGen direkt ins Haus: die nun anstehende Kapitalerhöhung um 5,5 Milliarden Euro. Angesichts des Rückgangs des Aktienkurses der Bank könnte sich ein Top-Institut wie die Unicredit das Geldhaus günstig einverleiben. Und Frankreichs Bankenaufsicht könnte wegen des Betrugs kaum argumentieren, dass durch die Übernahme die finanzielle Stabilität der Bank gefährdet sei – das hat die Bank ganz alleine hinbekommen. Denn der Betrugsfall bei der Société Génerale ist kein Einzelfall. Im vergangenen Jahr erlitt die französische Großbank Crédit Agricole einen Verlust von 250 Millionen Euro. Auch damals war eine Einzelperson für den Schaden verantwortlich. Wo große Beträge im Spiel sind, muss mit krimineller Energie auch der Mitarbeiter gerechnet werden. Der Branche scheint aber zu entgehen, dass sie durch ihre schlechte Risikokontrolle nicht nur Eigenkapital aufzehrt, sondern vor allem Vertrauen. Auf Vertrauen aber gründen alle wirtschaftlichen Transaktionen.

Die Finanzwelt hat ja schon Milliarden verschwinden sehen. Nicht zuletzt in Großunternehmen wie Siemens, wo sich die Geldverschiebungen in Folge der Korruptionsaffäre mittlerweile auf weit mehr als eine Milliarde Euro läppert. Was Futures für Zocker interessant macht: Der Anleger muss nur wenig Geld in die Hand nehmen, um große Summen zu bewegen, weil das Produkt mit Hebelwirkung funktioniert.

 

Ein Beispiel: Hat ein Future auf den Dax den Hebel 14, so legt das Papier bei einem zehnprozentigen Kurssprung des Dax um satte 140 Prozent zu. Umgekehrt heißt das: Sinkt der Kurs im Dax um 10 Prozent, verliert der Future gleich 140 Prozent an Wert. Das ist mehr als das ursprünglich eingesetzte Kapital. Der Händler muss also nachschießen. Dafür muss er aber auch nicht sofort beim Kauf Geld für solche Kontrakte zahlen.

Kerviel gaukelte der hauseigenen Aufsichtsabteilung aber nur vor, solche Sicherungsgeschäfte zu tätigen. Für den tatsächlichen Kauf der Papiere fehlte ihm wohl das nötige Kleingeld. So gab er Daten für Käufe weiter, die es nie gab. Dazu missbrauchte er Passwörter von Kollegen aus der Kontrollabteilung. Die er ja kannte, weil er dort zuvor selbst fünf Jahre gearbeitet hatte. Bis er aufflog.

 

Den zweitgrößten Verlust (Kerviel mit 7,2 Mrd. Dollar) in der Bankenwelt bisher brachte Brian Hunter mit 6,6 Milliarden Dollar der Amaranth Advisor bei. Er wettete 2006 auf die Förderung von Erdgas. Auf ganze 2,6 Mrd. Beziffert sich der Schaden, den der japanische Börsenhändler Yasuo Hamanaka anrichtete. Er war Experte im Warenterminhandel und schloß unerlaubte Geschäfte auf Kupfer ab. Und mit immerhin noch 1,4 Milliarden Dollar stand 1995 Nick Leeson in der Kreide. Der Händler Toshihide Iguchi häufte der japanischen Daiwa Bank Verluste von 1,1 Mrd. Dollar an. 30.000 Handelsbestätigungen soll er gefälscht haben. Am Ende wurde der Druck zu groß. Im Sommer 1995 gestand er. In Deutschland geschah der WestLB 2007 durch ihren Handelschef Friedhelm Breuers mit einer Wette auf die Differenz zwsichen VW-Stamm- und Vorzugsaktien ein Verlust von 604 Millionen Euro. Schon im Oktober 1973 hatte die Bank einen Handelsskandal erlitten. Als Anfang 1974 alles herauskam, entschuldigte sich WestLB-Chef Ludwig Poullain – und blieb im Amt.

So hat der geschäftstüchtige Leeson einen neuen Beruf als After-Dinner-Speaker. Finanzfirmen heuern den Ex-Betrüger für ihre Partys an, damit er auf launige Art und Weise erklärt, was sie tun müssen, um Kriminelle wie ihn zu stoppen. Vielleicht hätte auch die SoGen ihn einmal als Redner buchen sollen…..

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 1. Februar 2008 um 17:58 Uhr veröffentlicht und wurde unter Buntes abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
 

Der Händler Kerviel hatte auf europäische Aktienindizes spekuliert und gewonnen!!

Die unvorstellbare Summe von 1,4 Milliarden Euro stand gegen Jahresende auf seiner Habenseite – ein Viertel des gesamten Vorjahresgewinns der Bank.

Das Dilemma: Er konnte die Kontrakte, mit denen er spekuliert hatte, nicht verkaufen und so die Gewinne sichern. Ausgerechnet die Risiokokontrollsystem e der SocGen leißen dies nicht zu. Am Ende stand statt eines Gewinns ein Verlust von 4,8 Milliarden Euro.

Kann das uns auch passieren? So bei der Deutschen Bank.

Es könnte unangenehm werden, wenn bekannt würde, dass ausgerechnet der Chef dieser, warum eigentlich gerade diese, Frage laut gestellt wurde. Ach was.

Alle Leichen aus dem Keller geschafft?

Wenn Bahn-Mitarbeiter in diesen Tagen Millionen von Chinesen sehen, die umständehalber wegen Schneeverwehungen und Stromausfall in Bahnhöfen übernachten müssen, fürchten Sie nichts mehr als die drohende Frage ihres Chefs: “Bei uns kann das nicht passieren, oder?”

“Nein, ich glaube nicht” würde bei RWE beispielsweise seit Winter 2004 niemand mehr über die Lippen gehen.

Solange man sich auf die richtige Antwort verlassen kann, müssen auch die kritischsten und heikelsten Fragen nicht öffentlich gestellt werden!

Ursula Meyer

Der Ehrgeiz, etwas zu schaffen, was als unmöglich gilt, hat in der Geschichte der Menschheit bewundersnwerte Taten erst möglich gemacht. Nur leider führt dieser Ehrgeiz nicht immer zum Guten.

Denn es ist schwer zu erklären, wei ein untergeordneter Mitarbeiter unbemerkt mit Milliarden hantieren kann, während ein Firmen- oder Privatkunde über einen niedrigen sechsstelligen Betrag, genauestens im Hinblick auf seine finanziellen Verhältnisse durchleuchtet wird.

Wieder ist es eine SMS, die die Affäre um eine Anekdote bereichert. Diesmal geht es um eine SMS, die der Betriebsarzt der SocGen an Kerviel schickte.

“Achtung! Eine Information geht raus. Schützen Sie sich. Tauchen Sie unter!

Rätselhaft bleibt, warum ein Arbeitsmediziner elektronische Mitteilungen an die Bankangestellten schreibt…

 
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