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18. Januar 2008 von schuleigentum (11 Posts)
363 mal gelesen

(Ø 3,92)12 Stimme(n)

Vereinfacht gesagt, heißt Globalisierung, überall dasselbe anzubieten. Soziale Verantwortung als Gegenpol des Shareholder-Value wäre nicht schlecht. Manager tragen Verantwortung für das Gemeinwohl. Im Fall von Nokia bedeutet dies unter anderem, dass sie zum Umweltschutz beitragen, angemessene Löhne und Gehälter zahlen, Gewinne erwirtschaften und Arbeitsplätze sichern. Die Nokia-Mitarbeiter verstehen die Welt nicht mehr. Jahrelang haben sie gute Erfahrungen mit den Finnen gemacht. Die Hierarchien waren flach, die Freiheiten groß, die Türen standen offen – und zu besonderen Gelegenheiten gab es schon mal Kaffee und Kuchen. So macht auch Hartmut Mehdorn seinen Job. Der hemdsärmelige Bahn-Chef ist einst von der Regierung geholt worden, um eine hochdefizitäre und verschlafene Bahnbehörde umzukrempeln, dass daraus ein modernes und profitables Wirtschaftsunternehmen wird, das an die Börse gebracht werden kann. Wenn die Kosten wie jetzt wegen hoher Lohnabschlüsse aus dem Plankorridor laufen, dann wird es für den Manager Mehdorn eben notwendig, verschärft zu rationalisieren oder die Preise zu erhöhen – und das sagt er auch laut. Ellenbogenmentalität? Das aktuelle Theaterspiel, in dem der Sanierer Mehdorn unter Anleitung des Verkehrsministers den sozialen Frieden retten soll, ist auf Dauer keinem der Beteiligtem zuzumuten.

Bild alter Handys „Die Handy-Produktion in Deutschland ist nicht mehr konkurrenzfähig“ – mit diesem Urteil über den Standort Deutschland hat Nokia ein heftiges Echo und Untergangsstimmung ausgelöst. Die Subventions-Heuschrecke Nokia steht im Mittelpunkt, nicht der Mensch und Mitarbeiter, wenn die Lohnkosten unter fünf Prozent der gesamten Herstellungskosten liegen. Auf der anderen Seite ist für die erhaltenen Subventionen die fünfjährige Bindungsfrist abgelaufen und Nokia frei im Osten Europas eine neues Werk im rumänischen Cluj, dem früheren Klausenburg, aufzubauen. Dort laufen dann Mobiltelefone vom Typ 6030 vom Band – eines alle fünf Sekunden. Dass die Massenfertigung von elektronischen Allerweltgegenständen in Deutschland keine große Zukunft mehr hat, sollte sich bereits vor Jahren herumgesprochen haben. Wer den letzten Beweis suchte, bekam ihn im Sommer 2007: Motorola kündigte das Aus für sein Werk in Flensburg an. Warnzeichen, dass Nokia nicht auf immer in Bochum bleiben würde, gab es schon länger und reichlich. Jedermann konnte die Probleme von Siemens und BenQ verfolgen, in Bocholt und Kamp-Lintfort profitabel Handys zu fertigen. 3.000 Mitarbeiter verloren im Herbst 2006 ihren Arbeitsplatz. Das Management entscheidet sich zu handeln, bevor Probleme entstehen oder gar nicht mehr handzuhaben sind. Kein Mobiltelefonhersteller arbeitet so effizient wie Nokia. Ähnlich wie die PC-Industrie dies vor einer Dekade bereits eingeleitet hatte, wird auch Nokia bald von Rumanien in noch billigere Länder weiterziehen ( müssen). Wie dies funktioniert, zeigt Nokia auf dem amerikanischen Kontinent. Kein einziges Handy produzieren die Finnen dort, die gesamte Herstellung findet in Brasilien und Mexiko statt. Nokia verfolgt ein nie endendes Projekt – Effizienz steigern. So ist denkbar, dass auch Forschung und Entwicklung etwa nach Indien verlagert werden und die Produktion – nach Zwischenschritt in Rumänien – nach Vietnam. In fünf Jahren wird es in Westeuropa nur noch einen Handyhersteller geben: Nokia.

Wie konnten sich Nokia-Mitarbeiter danach noch sicher fühlen? Wie konnten Politiker glauben, Mitte der 90er-Jahre gezahlte Investitionshilfen seinen eine Existenzsicherung bis in alle Ewigkeit? Bochum ist Exot in Nokias Reich. Die anderen Fabriken stehen in Korea, China, Mexiko, Brasilien, Ungarn und nun auch in Rumänien – alles keine Hochlohnländer. Wenn Betriebe von Finnland nach Deutschland verlegt werden können, dann muss es auch möglich sein, dass Betriebe von Deutschland nach Rumänien verlegt werden.

„Unintelligente“ Handarbeit ist in anderen Teilen der Welt günstiger zu haben – zumal Transportkosten längst keine Rolle mehr spielen, der Verbraucher aber Fernseher, Mode, Computer und eben auch Mobiltelefone immer noch ein bisschen billiger einkaufen möchte! Nokia mag im Bochumer Werk profitabel arbeiten. Noch. Angesichts des Preisverfalls, den die Handyhersteller jeden Monat hinnehmen müssen, ist der Kampf um jeden Cent, der in der Produktion einzusparen ist, für die Bochumer Beschäftigten schmerzhaft. Für Nokia ist es hingen schlicht überlebenswichtig, ihn zu gewinnen. Wie Beispiels aus der Region – etwa Balda, zeigen. Eine angestrebte Rendite von 16 Prozent ist deshalb auch kein Selbstzweck – sie sichert dem Konzern: die Fähigkeit, im Innovationswettlauf an der Spitze zu bleiben, und seine Attraktivität für den Kapitalmarkt zu erhalten. Denn das entscheidet, zu welchen Konditionen sich das Unternehmen refinanzieren kann. Das Finanzmanagement gilt als unerbittlich, als amerikanisch. Am Ende ist Nokia Branchenprimus, der Weltmarktanteil mit fast 40 Prozent erdrückend, die Konkurrenz deklassiert. Nokia ist kein Vorwurf zu machen. Das ist der deutschen Seele offenbar schwer zu vermitteln.

Von “Sauerei”, “Steinzeitkapitalismus” und “Investitionshopping” ist die Rede. Manche rufen zum Boykott auf. Es ist blanke Polemik, den Handyhersteller in die Nähe von Subventionsbetrügern zu rücken, wie es unser Landesvater Jürgen Rüttgers voller Inbrunst veranstaltet. Wollte er wirklich helfen, würde er mehr Geld in Bildung und Forschung investieren. Nur das hat Zukunft in Deutschland

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 18. Januar 2008 um 16:31 Uhr veröffentlicht und wurde unter Internet & Technik abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
 

Auch bei Subventionen ist die Sache klar: Jeder Politiker setzt sie gern ein, wenn sie ihm Vorteile bringen. Es spielt erfahrungsgemäß keine Rolle, dass andere Regionen dabei Nachteile erleiden können.

Was, wenn nicht neue Subventionen, will Rüttgers denn Nokia anbieten?

Kurt O. WAF

Der Aufbau, die Schleißung, die Verlagerung von Fabriken müssen im Ermessen des Unternehmens liegen, nicht der Politik.

Übrigens: Politiker, die gegen die Schließung von Fabriken in Bochum protestieren, müssen konsequenterweise auch Kritik üben, wenn eine Produktion im Ausland geschlossen und nach Deutschalnd verlagert wird. Solche Vorwürfe hört man selten.

Es sind gleichwohl nur die Gesiter der Globalisierung, die wir aus der Flasche gelassen haben. Handys sind zwar kleine Hightech-Produkte, doch ihre Montage ist ein stark standardisierter industrieller Prozess.

Wenn jetzt einige Politiker wieder einmal fordern, bei den Gehältern Maß zu halten und das Arbeistrecht zu flexibilisieren, dann fürht dies in die Irre. Gegen Standorte, die zehnmal billiger produzieren, lässt sich so nicht ankommen.

Für die deutsche Volkswirtschaft insgesamt stellt der Abgang der Finnen indes keinen wirklichen Beinbruch dar.

Dieter Hombringhaus, Harsewinkel

Das hat keinen Sinn, Nokia zu BOYKOTTIEREN, weil der deutsche Markt nur ein Bruchteil vom Weltmarkt ist. Lieber jetzt ein Handy “Made in Germany” als im nächsten Jahr eines aus China zum gleichen Preis!

Ich bin allerdings nicht der Einzige, der künftig auf solche Handys verzeichten wird.

Hans, Rostock

Auf der Nokia-Webseite ist zu lesen:
“Unternehmerische Verantwortung heißt für Nokia, die Einflüsse ihrer Arbeit auf Gesellschaft und Umwelt zu erkennen und entsprechend zu agieren. Als Marktführer und weltweit tätiges uNternehmen nimmt Nokia diese Verantwortung sehr ernst. Eine solide Unternehmens-Ethik ist deshlab für das tägliche Geschäft enorm wichtig.”

Da gibt es nichts mehr zu ergänzen.

Alex A. Oelde

Die Spitzenpolitiker Struck und Seehofer geben ihre Nokia-Handys zurück – aus Solidarität. Ein Schritt in die richtige Richtung, aber da geht noch mehr!!

Nokias Logistikpartner DHL will seinerseits 200 Mitarbeiter in Bochum entlassen – aus Solidarität natürlich. Zuesrt sollten wir daher keine Briefe mehr schreiben. Schließlich werden ja nicht nur bei DHL, sondern auch bei PIN Stellen abgebaut. Telefonieren und im Internet surften sollten wir ebenfalls nicht mehr, zumindest nicht über das Festnetz der Telekom.

Auch bei der Bahn und deren Stellenkürzungen – wer jetzt noch mit dem Zug fährt, ist ein herzloser Egoist. Die Solidaritätspolizei empfiehlt stattdessen, die Bahn stehen zu lassen und mehr Auto zu fahren. Natürlich auf keinen Fall einen Opel: Bochum wurde schließlich durch die 2004 ebenfalls massiv gebeutelt.

R. Müller, Steuerberater

Nokia ist nicht der erste und nicht der letzte Konzern,
der den Menschen verachtet.
Ich denke aber, dass Nokia möglicherweise der erste Konzern ist,
bei dem diese ganze Unmenschlichkeit hängen bleiben wird.

Aus diesem Grunde sehe ich keinerlei Schonungsgründe für diesen Konzern
Mag sein, dass dies auch nicht völlig gerecht ist, aber mit der Gerechtigkeit hat es
NOKIA ja auch nicht so dicke.

Wir sind in Deutschland bei einem Punkt angekommen der neu zu definieren ist.
Subventionen für wenige oder Steuersenkungen für alle?
Das politische Handeln muss völlig neu durchdacht werden!

Die Nummer mit dem besorgten Rüttgers mögen Naivlinge diesem abkaufen.

Wir wollen preiswerten Spargel und können dies nur mit Leihkräften aus dem Ausland marktgerecht realisieren. Wir kaufen bei Bekleidungsdiscountern T-Shirts für 4,99 Euro und wundern uns, dass die Textilherstellung in Deutschland mit Ausnhamen bei null angekommen ist.

Keine Wirtschaftspolitik ist die beste Wirtschaftspolitik. Neue Nokia-Handys zu kaufen, das wäre das einzig richtige Signal der Politik.

Bei Nokia in Bochum geht es nicht um das Für und Wider der Globalisierung, sondern um ehtisches und wirtschaftliches Handeln. Nokia hat nicht “irgandwann” ein paar Subventionen bekommen, sondern letztmals 2000/01.

Dramatsich verändert haben sich seit 2000 in Deutschland aber weder die Lohnkosten noch die Lohnstückkosten. Die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland hat sich mithin verbessert. Auch für Nokia.

Seriöse Manager hätten versucht, mögliche Probleme am Standort zu lösen.

Ich verstehe das Bemühen, nicht immer Jauchekübel über die Wirtschaft auszuleeren, weil Globalisierungsentwicklungen nicht immer positiv sind. Jedoch sollte sich dieses Bemühen nicht auf die falschen Firmen konzentrieren.

Das Unternehmen Nokia hat nicht das Geringste falsch gemacht. Seine Aufgabe ist es, Gewinne zu erwirtschaften und dafür die rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen. Problematisch ist lediglich die grenzenlosen Naivität der beteiligten Kommunal- und Landespolitiker.

Niemals wird dabei das Wort Nachhaltigkeit der Förderung abgefragt: Die Firmen können schließlich ungehalten reagieren und – Stichwort Heuschrecke – weiterziehen.

Diese Fördermittelspirale macht eine gesunde Standortentwicklung auch in Deutschland und besonders den neuen Bundesländern unmöglich :D

Wie lange und wie gut könnten 2.300 Familien mit 88 Millionen leben. Die Erpressung der Politik über Arbeitsplatzversprechen haut fast nie hin.

Aber auch die Rumänen sollten sich nicht zu sehr freuen: Wenn die Heuschrecken dort alles abgegrast haben, wird Nokia auch dort weiterziehen. Vielleicht nach Indien, China oder auch nach Angola.

Die Entscheidung von Nokia ist mir in der Tat unverständlich. Der Standort Vietnam wäre noch viel geeigneter.

Der Stundenlohn für ausländische Unternehmen beträgt nur 0,18 Euro (für einheimische 0,13 bis 0,15 Euro). Sobald das Lohnniveau dort eine Größe erreicht, welche es nicht mehr profitabel erscheinen läßt, dort zu fertigen, geht man in andere Kontinente. Und die Zulieferer gehen mit, oder sie gehen unter….

Alle schauen gebannt auf Nokia. Wer redet von der Deutschen Telekom?

Denn beim Bonner Konzern ist der Personalabbau noch viel gravierender. Die Telkom hat sich in den vergangenen zehn Jahren von rund 120.000 Mitarbeitern getrennt. Nun stehen weitere 35.000 auf dem Spiel.

Sicher, die Arbeitsplätze werden nicht direkt ins Ausland verlagert. Doch dies wird sich ändern. Denn wenn zum Beipsiel die Geschäftskundensparte T-Systems mit einem Partner fusioniert, könnten dieses Schicksal erstmals Tausende Mitarbeiter ereilen…

Die Parallele zum Fall Nokia läßt sich noch wieterspinnen. Da der Bund mit mehr als 30 Prozent am Konzern beteiligt ist, wird die Politik alles daran setzen, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu retten.

Lutz Wagner, WAF

Seit Wiedervereinigung und Maastricht-Vertrag muss jeder einzelne Deutsche mehr und mehr Staatswirtschaft ertragen: Eingriffe, Regulierungen, Steuern, und das immer mehr von der EU und vom Euro-System, vor allem eine künstliche Binnenwirtschaft in der Euro-Zone. Nur deshalb sind wir Deutschen seit 1989 im Pro-Kopf-Einkommen auf einen Durchschnittstplatz zurückgefallen.

Wenn wir unsere Währung in den letzten Jahren um 100 Porzent hätten aufwerten können, was unser Exportgeschäft mühelos hergegeben hätte – bräuchte Nokia & Co sind keine Gedanken um Anwanderung zu machen.

Wir Deutsche und Nokia Bochum sind ein Opfer des Euro-Systems. Überschüsse im Export müssen wir bei der EZB abliefern. Mit dem Euro kann man in Deutschalnd keinen Wohlstand schaffen.

Julia Spethmann, per E-Mail

Der Rechtverwerter IP-Com aus Pullach bei München macht Nokia nun endgültig den Garaus: er verlangt zwölf Milliarden Lizenzgebühren für Mobilfunkpatente und hat bereits Klage beim Landgericht Mannheim eingreicht.

Der frühere Rechteinhaber, die Robert Bosch GmbH, hat die Patente Ende 2006 an IP-Com verkauft.

Seit das schnelle Geschäft mit Firmenübernahmen vorbei ist, finanzieren sich Gesellschaft wie IP-Com aus Klagen und Prozessen. Wenn die Klagen durchgehen, winken satte Gewinne.

So zahlt es wenigsten Einer Nokia heim, was sie dem Standort Deutschland angetan haben ;)

 
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