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12. Januar 2008 von BarbaraDainton (12 Posts)
109 mal gelesen

(Ø 3,93)15 Stimme(n)

Glückskekse gehören zu einem chinesischen Essen wie die Peking-Ente und die Essstäbchen. Der Ursprung der Glückkekse jedoch liegt im Zwielicht. Viele glauben, das süße Gebäck sei erst im 20. Jahrhundert erfunden worden und zwar nicht in China, sondern in den USA. Andere vermuten sogar einen gewissen Zhu Yuan Zhang hinter den Keksen: Der Chinese war im 14. Jahrhundert als taoistsischer Wanderprediger unterwegs, er wollte einen Aufstand gegen die mongolischen Besatzer des Landes anzuzetteln. Damit sich die Rebellen untereinander geheime Botschaften zuschanzen konnten, buk man die Nachrichten in unverdächtiges Gebäck: Urkekse, die Quelle von Glück und Unglück…

Glückskekse Gerade im noch jungen neuen Jahr traut sich hierzulande kaum jemand ohne eine schicksalsweisende Standortbestimmung. Umfragen zufolge glaubt allen Ernstes jeder zweite Deutsche daran, dass die Sterne unser Schicksal beeinflussen. Das süße Gebäck mit den versteckten klugen oder witzigen Sprüchen, das in chinesischen Restaurants als kleine Aufmerksamkeit nach dem Essen gereicht wird, wird unter anderem bei Viktoria Brauch im Kraichgau gebacken. 30 Millionen sind es heute pro Jahr. Die Rezeptur ist einfach: Weizenmehl, Glukosesirup, pflanzliches Öl, Vanillearoma und weitere Zutaten werden zu einem glatten flüssigen Teig zusammengerührt. Den Rest erledigt eine spezielle Maschine, die den Teig aus einem Behälter hoch pumpt und in kleine flache Backförmchen spritzt. Dann werden die Teigplätzchen, die an große Oblaten erinnern, automatisch in einem Ofen gebacken. Damit aus dem gewöhnlichen Keks ein Glückskeks wird, muss die Botschaft hinein. Knapp 1.000 Sinnbotschaften sind es, ins Englische, Fränzösische und Polnische übersetzt. Beschwerden über schlechtes Karma habe es bisher nie gegeben.

Nach dem Backen wartet die Folie auf das süße Naschwerk. In einem bestimmten Takt legt einer der 35 Mitarbeiter die einzelnen Glückskekse auf das schmale Förderband der Verpackungsmaschine, die das trockene Gebäck samt Glücksbotschaft in Folie hüllt. Mit passender Glücksbotschaft: „Ab und zu sollten wir auf der Jagd nach dem Glück innehalten und einfach mal nur glücklich sein.“

 

Welche Phrase hält der Glückskeks für mich bereit? „Auch der hellste Tag hat seine Schattenseiten?“ „Jede noch so weite Reise beginnt mit dem ersten Schritt!“ „Wie gewonnen, so zerronnen?“ Schon beginne ich mir einzubilden, dass ich auch körperlich stark nachlasse. Ich meide chinesisches Essen. Wie lange ist so eine Prophezeiung überhaupt gültig?

 

Fragen drängen sich auf: Habe ich irgendeinen Gott erzürnt, als ich den blöden Cracker aufbrach? Wer hat sich diesen Spruch ausgedacht? Und was kann ich machen, um mich vor dem Fluch zu schützen? Reicht es, wenn ich mir einfach einen neuen Keks kaufe – oder verstricke ich mich dann endgültig in die Fügung? Schicksal scheint zu 65 Prozent vorbestimmt, den Rest gestalten wir selbst. Anders gesagt: Ich bin ausgeliefert, aber verloren ist noch nichts.

Schließlich ist der Mensch – wie alles andere auch – ein Element im Kreislauf der Natur. Und es ist ja auch Quatsch zu sagen, die Kartoffel sei verantwortlich dafür, ob sie wachsen will oder nicht. Die weiß nämlich nicht, was Glück bedeutet und nimmt jede Situation, wie sie ist. Aber ich kann nicht aus meiner Haut: Ich bin kein Chinese, sondern Deutscher – und als solcher insgeheim von Glück und Schicksal überzeugt. So sehen die Glückskekse den Menschen voraus, was kommt, aber genauso wichtig ist es, den Menschen auf dem vorbestimmten Weg zu helfen. Zum Fluchen gehören immer zwei. Einer der flucht, und einer, der verflucht wird.

In der Antike haben die Leute Flüche genutzt, um Konkurrenten auszuschalten. In der Gedankenwelt der Vormoderne bekämpfte man einen Fluch mit einem Gegenfluch und guckte dann einfach, welcher Fluch stärker war. Das klingt reizvoll.

Nach einer weiteren schlaflosen Nacht beschließe ich, der Sache ein Ende zu bereiten. Ich will Feuer mit Feuer bekämpfen. Einfach noch einen aufmachen! Dann öffne ich ihn: „Leben ist nicht genug, sagte der Schmetterling. Ich brauche Sonne, Freiheit und eine kleine Blume.“ Es wird doch ein richtig gutes Jahr 2008 :D

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Der Beitrag wurde am Samstag, den 12. Januar 2008 um 18:53 Uhr veröffentlicht und wurde unter Regionales abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
 
 
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