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25. November 2007 von westaflex (129 Posts)
105 mal gelesen

(Ø 4,25)12 Stimme(n)

Wie jedes Volk, zahlen auch die Briten einen Preis für ihre besten Tugenden. Kehrseite ihrer Toleranz ist Nachlässigkeit, zuweilen schlichte Schlamperei. Den britischen Steuerbehörden sind zwei CDs mit persönlichen Daten von 25 Millionen Briten abhandengekommen. Die Datenträger seien von der Zoll- und Steuerbehörde in Nordengland in den hauseigenen Postdienst TNT gegeben worden und sind seitdem verschwunden. Da die Sendung nicht versichert war, kann TNT jede Verantwortung für das Verschwinden in Abrede stellen. Auf den CDs befinden sich Daten über alle Empfänger von Kindergeld, die Namen, Adressen und Geburtsdaten der Kinder, die Vorgangs- und Versicherungsnummern sowie Bankverbindungen. Die Steuerbehörde geht nicht davon aus, dass die Daten nicht im Besitz von Kriminellen sind. „Die Menschen haben ein Recht, sich darauf verlassen können, dass die Regierung mit Informationen; die man ihr gibt, sorgfältig umgeht – und das ist hier nicht geschehen.“ Ein 23-jähriger Angestellter der Steuerbehörde sei der Sündenbock: er hatte am 18. Oktober die Daten auf CDs gebrannt und dann nach London verschickt.

Das Child benefit Steuererklärungsformular CH2 beinhaltet neben dem Namen des Kindes und seiner Eltern auch eine Reihe zusätzlicher vertraulicher Informationen, wie Sozialversicherungsnummer, Geburtsdaten, Status von Partnerschaften, Bankadressen und Kontonummern. Und gerade diese Detailfülle könnte eine reiche Ernte für Dokumentenfälscher oder Identitätsdiebe sein.

Man weiß auch in Großbritannien, wie unendlich die Verlustmöglichkeiten von Daten-Massen wächst, je weiter die Technik miniaturisiert. Der Gedanke allein ist atemberaubend. Entsprechend streng sind auch auf der Insel die Auflagen für den Umgang mit solchen Materialien. Nur – sie werden oft nicht eingehalten, aus Nachlässigkeit. So durften die Daten eigentlich nur mit höchster Genehmigung heruntergeladen werden und sind vor dem Versand zu verschlüsseln. Peinlicherweise kam heraus, dass derartige Daten auf keinen Fall „auf dem Postweg“ geschickt werden dürfen. Der politische Schaden ist immens und der Vorwurf der Inkompetenz zieht sich durchs Inselreich. So wissen die Briten zum Beispiel auch, was die Unreinlichkeit ihrer Krankenhäuser sie kostet: Jährlich bis zu 5000 Opfer, die erst nach Einlieferung ins Hospital sich infizieren und sterben. Schlamperei und Versagen gehören zu den menschlichen Grundeigenschaften im Königreich.

 

Der gesunde Menschenverstand sagt jetzt gewiss: „Aber man schickt doch solche heiklen Daten nicht einfach mit der Post und ohne Einschreiben los.“ Doch viele Beispiele zeigen, dass „man“ genau das tut, und zwar in vielen Unternehmen und vielen Regierungen, zu allen Zeiten, und oft mit katastrophalen Verlusten – nicht nur von Datenmengen. Als die Russen 1940 im Krieg gegen die Finnen 125.000 Mann verloren, beschwerte sich ein Befehlshaber, dass die Finnen immer in der Mittagsruhe der Russen angegriffen hätten. Außerdem sei man nicht auf so viel Wald vorbereitet gewesen. Solche Beispiele menschlicher Leichtfertigkeit gibt es nicht wenige in der Geschichte. Durch falsche Kommandos verlor die NASA 2006 ihre Marssonde.

Die Gesetze des Scheiterns vom Ingenieur Murphy gelten als Satire. Dennoch, kommen uns diese Dinge nicht bekannt vor: „Macht neigt dazu, Beschäftigungen an solche zu vergeben, die nicht in der Lage sind, sie auszuführen.“ Nach dem Ende der DDR beispielsweise hörten die erstaunten Bürger, dass man im Politbüro über Anleitungen zum Selbstschneidern von Damenschlüpfern debattiert hatte, anstatt drängende Reformen einzuleiten. Man sollte möglicherweise einen Nobelpreis ausschreiben, für denjenigen, der eine wirksame Strategie gegen das Versagen entwickelt.

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Der Beitrag wurde am Sonntag, den 25. November 2007 um 22:41 Uhr veröffentlicht und wurde unter Internet & Technik abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
 
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