28. Oktober 2007 von AnoukDeGryter (13 Posts)224 mal gelesen
Heute Nacht wurden die Uhren auf Winterzeit umgestellt. Im Zuge der Einigung Europas haben sich alle EU-Mitglieder außer Großbritannien, Portugal und den Überseegebieten der Mitteleuropäischen Zeit angeschlossen. Die Folge: Abends müssen wir eine Stunde früher das Licht anknipsen. Aber so richtig können wir uns einfach nicht entscheiden, was schlimmer ist: zu hell oder zu dunkel? Helle Licht blendet, ohne Licht tappen wir im Dunkeln. Dennoch, die Winterzeit gilt bis zum letzten Sonntag im März. Dann wird wieder auf Sommerzeit umgestellt, die Uhren also eine Stunde vorgedreht.
Zum ersten Mal wurde die Sommerzeit mitten im Ersten Weltkrieg von 1916 bis 1918 erprobt, in der Weimarer Republik verschwand sie, während des Zweiten Weltkriegs lebte sie wieder auf und blieb unter den Alliierten. Anfang der Fünfziger geriet die Sommerzeit für dreißzig Jahre in Vergessenheit, 1980 kehrte sie zurück als Energiesparmaßnahme nach der Ölkrise, aber auch als Reaktion auf die geplante Sommerzeit der DDR. Davor galt das ganze Jahr über die Winterzeit. Heute wissen wir: dass die künstliche Umstellung dem Körper sogar bis zu sechs Monate lang Probleme im natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus bereitet. Die innere Uhr kontrolliert jeden Vorgang im Körper, zum Beispiel wann der Magen seine Arbeit aufnimmt oder wann Hormone ausgeschüttet werden. Menschen, die eher spät am Tag aktiv werden, leiden besonders unter der Sommerzeit. Das Leben gegen die innere Uhr, das Chronobiologen das soziale Jetlag nennen, hat besonders im Frühling einen Anstieg der Depressionen und Infektionen zur Folge. Denn unsere innere Uhr paßt sich dem Lauf der Sonne seit Jahrmillionen an oder anders gesagt: Deutschland zieht im Frühjahr künstlich absurde 45 Längengrade nach Israel um und arbeitet ansonsten nach deutscher Zeit weiter.
Schlaf, Licht und innere Uhr bilden ein Dreieck, in dessen Zentrum Wohlbefinden und Gesundheit stehen.
Da die Sommerzeit keine Energie spart, könnte man das verwirrende Hin-und-her-Wechseln eigentlich sein lassen. Doch nicht die Sommerzeit sollte man streichen, sondern die Winterzeit. Warum verkürzen wir die Wintertage ohne Not um eine weitere Stunde? Am Heiligen Abend verschwindet die Sonne schon um 16:24 Uhr – wie wohltuend wäre es, sie bis fast halb sechs leuchten zu sehen! Eine „natürliche Zeit“ gibt es für viele Europäer ohnehin nicht mehr. Auch der Tag ist nicht mehr symetrisch geteilt, da die Sonne nicht am Mittag ihren höchsten Punkt erreicht, sondern eine Stunde danach.
Ausgerechnet in einem Bunker eröffneten sich für die Forscher allgemein gültige Erkenntnisse: Sie sperrten ein paar Leute für vier Wochen unter der Erde ein, nahmen ihnen die Uhren ab und ließen sie schlafen, so viel sie nur wollten. Schnell stellte sich heraus: Egal, wie alt oder wie jung, wie faul oder fleißig die Menschen waren – sie alle hielten einen Mittagsschlaf. Bei der Nasa und der US-Army ist das Mittagsschläfchen heute sogar Befehl. Eine ganze Bewegung feiert das „Power Napping“.
Ihr Fazit: Eine 40-Stunden-Woche? Sommerzeit? Alles nur Rand-Diskussionen. Wenn der Mensch auf seinen Körper hört, ruht er nicht nur einmal, sondern zweimal am Tag. Und das synchron zur biologischen Uhr und „richtigen Tageszeit“.













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