Anmelden
Übersicht

Bisher wurden 2,288 Beiträge und 2,105 Kommentare von 290 Benutzern verfasst.

Momentan sind 7 Benutzer online. 0 Abo Leser heute.

 

1. Oktober 2007 von PrinzessinKunterbunt (11 Posts)
317 mal gelesen

(Ø 3,79)19 Stimme(n)

Milchbauer müsste man sein! Kaum steigt der Preis für Milch und Butter, kommt die Vermutung auf, der Milchpreis könne das werden, was früher einmal der Brotpreis war: Das tägliche Brot, das Jesus in der Bibel bricht. Es gibt im Volksverständnis ein Recht auf Brot. Schließlich sei das Getriede teurer geworden, auch die Butter teurer und die Energie und die Löhne. Die Globalisierung und auch das absehbare Ende 2015 der europäischen Milchquoten aus dem Jahr 1984 werden den bislang politisch geschützten Preis in Bewegung bringen und Schwankungen aussetzen. Dahinter steckt ein in die Jahre gekommener Traum. Nicht der vom Schlaraffenland. Sondern der, in dem Leben erst jenseits des Notwendigen beginnt. Wollte ein Landwirt mehr Milch produzieren, müsste er erst einmal viel Geld auf den Tisch legen und Kontingenten dazukaufen – von anderen Bauern, die etwas abzugeben haben. Erstaunlich einig sind sich Gegner und Befürworter der Milchquote bisher nur in einem: darin, dass sie in den vergangenen 20 Jahren wenig gebracht hat. Der Milchpreis ist trotz Mengenbegrenzung weiter gefallen, und auch der Strukturwandel konnte nicht gebremst werden. Und da hört der Spaß auf.

Dabei waren es die Hände, an denen man früher einen Bauern am sichersten erkannte. Kräftige, zerklüftete Hände, mit Schwielen und Rissen, oft aufgesprungen. Arbeitshandschuhe kamen erst später in Gebrauch, und auch das Melkfett, abends beim Zeitungslesen eingerieben, hat die Furchen nicht füllen können, die Jahre und Jahrzehnte der Feldarbeit in die Finger gruben. Auf Bauerndemonstrationen der siebziger Jahre, über denen nicht selten das Bundschuhbanner der Bauernkriege weht, dienten diese Hände als Ausweis der Standeszugehörigkeit. Da war Fortschritt fast synonym mit Traditionszerstörung. Niemand würde sich mehr die Hände schmutzig machen müssen.

Die Wandlungen der deutschen Landwirtschaft seit dem Krieg reichen bis in ihre Fingerspitzen. Den Bilderbuch-Landmann gibt es nicht mehr in den Lesefibeln der Grundschule. Die Pferde und ihr Knecht wichen immer stärkeren und teureren Zugmaschinen. Für die Bauern aber kam noch eine weitere Abendbeschäftigung hinzu: die Buchführung. Der immer größer werdende Rentabilitätsdruck, die Einbindung in den Subventions- und Steuerungskomplex sowie die wachsende Flut von Vorschriften haben aus den Landwirten Betriebswirte gemacht. Landwirtschaft, das ist heute digitalisierte Stall- und Feldarbeit. Der Computer teilt dem Rindvieh das Quantum zu, nach einem Abgleich seiner Leistungsdaten. Der Rechner legt fest, wie viel Kunstdünger auf den Acker muss oder wann die Pumpen in der Biogasanlage anlaufen. Auch in der Landwirtschaft kann sich schon lange keiner mehr darauf verlassen, dass das, was die Väter und Vorväter erzeugten, auch in Zukunft noch gefragt ist. Wo früher ungestört Kühe ihr Gras wiederkäuten, erheben sich jetzt nicht nur Windräder, sondern oft auch schon die Reaktoren der Biogasanlagen. Positver Nebeneffekt: Das klimaschädigende Treibhausgas Methan, das in der Rindergülle enthalten ist, wird neutralisiert und in Strom umgewandelt. Und der Raps macht Bauern zu Baronen.

Wie kommt ein Preis zustande? In einem funktionierenden Markt ergibt er sich als Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage. Früher, als sowieso alles besser war, da gab es goldschimmernde Butterberge, die über herrlich weißen Milchseen aufragten. Doch leider musste diese Fülle zwischengelagert, entsorgt oder irgendwie weiterverarbeitet werden, weil der Appetit der Verbraucher nun mal nicht im selben Maße wachsen wollte wie die Höhe der Subventionen. Noch früher, als es noch besser war, gab es sogar einen Fleischindex, der später zum Kartoffelindex verkam, an dem sich ablesen ließ, wie es um die allgemeinen Essgewohnheiten stand. Nie wieder Milch, nie wieder Kartoffeln, kein weichgekochtes Rindfleisch mehr: so sah, nach dem Krieg in Kinderszeiten die Zukunft aus.

Milchkuh Euter Die Milch macht´s nicht. Da mögen die Preise noch so hoch steigen, im Geldbeutel wird das keine dramatischen Folgen haben. Denn die Deutschen geben nicht mal 15 Prozent ihres Geldes für Nahrungsmittel aus. Wir zahlen eher für den Friseur und den Straßenbahnfahrer, den Briefträger und den Telekom-Techniker. Aber es ist ebenso klar, dass sich Lohnerhöhungen immer stärker in den Preisen bemerkbar machen. Der schwache Trost: Wir sind daran wenigstens selber schuld. Und auch in China, Indien oder Brasilien steigen die Einkommen und deshalb die Nachfrage nach höherwertigen Lebensmitteln wie Molkereiprodukte und Fleisch. Die Produktion kann damit nur Schritt halten, wenn die Preise steigen. Auch die wachsende Flächenkonkurrenz zwischen Pflanzen für die Energieerzeugung oder die Futterproduktion trägt zum Preisauftrieb bei. Bei kaum einem anderen Lebensmittel reagiert die Nachfrage so stark auf höhere Einkommen. Verstärkt wird dieser Effekt durch die Expansion internationaler Handelsketten. Die richtige Strategie wäre es, die Milchquoten schrittweise aufzustocken und gleichzeitig einen europaweiten Handel mit Produktionsrechten zuzulassen. Wir haben es selbst in der Hand, anstatt von Agrarzöllen und Subventionen marktgerechte Preise zukünftig zu zahlen. Denn die Zeche zahlt an der Ladentheke ohnehin der Verbraucher: über höhere Steuern oder für marktgleiche Entlohnung. Denn die Branche leidet darunter, zersplittert zu sein in rund hundert Molkereien. Diese kleinen Milchverkäufer sind bei den Verhandlungen mit großen Supermarktketten und Discountern nicht in der Lage, die von der internationalen Konkurrenz gebotenen Preise Paroli zu bieten. Fusionen würden helfen.

An den Gedanken müssen wir uns gewöhnen: Die Zeiten, in den Getreide, Milch und andere Agrarerzeugnisse im Überfluss vorhanden waren, gehen dem Ende entgegen. In unseren Breitengraden bedrohen stärkere Niederschläge, Stürme und Überschwemmungen die Ernten. Die nutzbaren Anbauflächen werden langfristig eher schrumpfen als wachsen, bei gleichzeitigem starken Wachstum der Erdbevölkerung und Verbot der Gen-Anpflanzungen. Die Konflikt bringt sozialen Sprengstoff, vor allem in ärmeren europäischen Ländern. Seit beinahe acht Jahren wird mehr verbaucht als erzeugt. Wie viele Menschen diese Erde ernähren kann, hängt also davon ab, wie unsere Speiseplan in Zukunft aussieht und welchen Stellenwert dem Anbau von Energiepflanzen eingeräumt wird. Ebenso wichtig ist es, die knappen Rohstoffe gerecht zu verteilen. Schon heute hungern 800 Millionen Menschen, obwohl genügend Nahrung vorhanden wäre. Paradoxerweise sind darunter viele Kleinbauern. Saatgut und einfachste Hilfsmittel können sie sich kaum leisten.

Subscribe
19 6
 
Der Beitrag wurde am Montag, den 1. Oktober 2007 um 20:09 Uhr veröffentlicht und wurde unter Buntes abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.
 

Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Blog-Beitrag. Als einzige von den vielen, zum Teil unerträglichen medialen Meinungen dazu, spricht er ein zentrales Problem, nämlich die EU-Agrarsubventionen, insbesondere die Exporterstattung, an. Schließlich darf nicht übersehen werden, dass unsere Landwirtschaft nicht nur in hohem Maße die Umwelt schädigt, sondern den Verbrauchern wegen der Abschottung vom Weltmarkt auch viel höhere Preise als notwendig zumutet.

Udo Kröning, Berlin

Vollmundig haben die Politiker bei ihrer umstrittenen Mehrwertsteuererhöhung erklärt, es werde bei den Lebensmitteln keine Teuerung geben. Ob die Regierung empört ist oder in China ein Mehlsack umfällt, ist doch gleichgültig. Wir werden weiter geschröpft, und die Bauern bekommen von der Preiserhöhung gar nichts ab. Bis das Kartellamt hier etwas nachweisen kann, gibt es längst neue Preiserhöhungen auf anderem Gebiet.

Tim Mürdter, Münster

Man kommt nicht mehr zum Luftholen, denn schon wieder kündigen sich weitere Preiserhöhungen an beim Brotkauf und den Süßigkeiten. Dreist werden auch schnell noch sämtliche Fleischprodukte erwähnt, wenn schon, denn schon. Das Maß ist voll! Fehlt bloß noch eine neue Benzinpreis-Erhöhung….

Brigitte B., Gütersloh

Chinesen sind die Zigeuner des neuen Jahrtausends. Früher haben anständige Bürger die Klingel abgestellt und die Gartenmöbel ins Haus geholt, wenn eines dieser geheimnisvollen Zeichen aus Ästen vor der Haustür lag. hEUTE schließen die Unternehmer die Labore ab und verstecken ihre Erfindungen, wenn die Chinesen klingeln.

Munter kopieren die Fälscher aus Fernost. Sie meines es aber nicht böse. Der Chinese an sich hat schlicht eine etwas andere Einstellung zu Eigentum als der gemeine Mittelruopäer. Schon Konfuzius sagte: “Der SITTLICHE Mensch liebt seine Seeel, der GEWÖHNLICHE sein Eigentum”. So stiehlt derzeit eine Diebesbande in England Kirchenglocken, um das Altmetall nach China zu verscherbeln. Wir sollten sagen: Geben ist seliger als nehmen. Und die Glocken mit billigen Koppien aus China ersetzen.

Und mit dem Essen und den Rohgstoffen dasselbe. Können wir noch doch mehr aus Plaste als auch Elaste sein…

ch kann(und will) nicht auf Milch und Milchprodukte verzichten nur weil sie teurer geworden sind, und ich werde sicher auch nicht auf einen Weihnachtsbaum verzichten.

Thunfisch kauf ich auch nicht mehr, aber nur deshalb weil durch die Schleppnetze unzählige Delfine sterben die sich darin verfangen und nicht mehr rechtzeitig an die Oberfläche kommen.

Und dann kommt der EON Chef heut im Radio zu Wort und sagt, der Verbraucher braucht die hohen Strompreise ja nicht zu zahlen, er kann ja wechseln.

Wir haben auch schon gewechselt, von den Stadtwerken zu Yellow, haben im Jahr über 100 Euro gespart – aber Hallo – ich hab noch ein anderes Hobby als monatlich zu kontrollieren (inzwischen erhöhen die ja dauernd) ob ein anderer Anbieter billiger ist und wieder alles umzuändern. Das weiß der gute Mann genau, denn sonst hätte er ja keine Kunden mehr.

 
Einen Kommentar schreiben

   

CommentLuv Enabled
Google Buzz

Powered by WP Hashcash