23. Juni 2007 von Farell-Teac (3 Posts)239 mal gelesen
Die Kölner Stadtbibliothek bietet Bücher, Musik und Videos zum Runterladen an. Die Ausleihfrist endet automatisch nach einer Woche, dann kann die Datei nicht mehr geöffnet werden. Bestseller gibt es zurzeit allerdings noch nicht im Angebot.
Vorbei die Zeit, als bei der Bücherübergabe eine Bibliothekarin prüfend über den Einband strich. In Köln heißt es künftig schlicht “Download abgeschlossen”. Jeder, der einen Ausleihausweis hat, kann sich im Internet anmelden und mit zwei Klicks Medien herunterladen. Um den Ausweis zu bekommen, muss man nicht in Köln wohnen. Die Mitgliedschaft kann online beantragt werden. Wie im echten Bibliotheksleben gilt auch im Internet: ein Exemplar kann immer nur von einer Person ausgeliehen sein. Wenn alle Exemplare weg sind, kann aber online vorbestellt werden.
Die Ausleihfrist beträgt in der Regel eine Woche. Die Dateien müssen allerdings nicht an die Bibliothek zurückgeschickt werden: Ein Rechte-System verhindert, dass die Datei nach Ablauf der Frist geöffnet werden kann. Wer genug Papier im Drucker hat, kann viele der Bücher allerdings auch ausdrucken und so über die Ausleihfrist hinaus nutzen.
Insgesamt verfügt die Kölner Stadtbibliothek über rund eine Million Medien. Gerade mal 6.000 stehen im Netz. Literarische Bestseller sind in der Online-Bibliothek nicht zu finden. Und das ‘e’ in der Rubrik e-Musik ist doppeldeutig: Die Musik liegt elektronisch – also als Datei – vor, aber es gibt auch fast nur ernste Musik: vor allem Klassik von Mozart, Bach oder Beethoven. Aktuelle Popmusik ist nicht im Angebot. “Die Verlage und Plattenfirmen sind noch sehr zurückhaltend mit der Rechtefreigabe“, sagt der Bibliotheks-Sprecher. In Zukunft solle das Angebot aber noch erheblich erweitert werden.
Die gut 4.000 Klassik-Alben im Angebot stammen alle aus den Beständen des Billig-Labels Naxos. Das setzt nicht auf große Namen, sondern lässt die Musik von unbekannten Orchestern in Osteuropa einspielen. In der Bibliothek selbst gibt es diese Naxos-CDs nicht. Dort stehen in erster Linie Aufnahmen des Hochpreis-Labels”Deutsche Grammophon”, die wiederum nicht herunter geladen werden können.
Die Kölner Stadtbibliothek und der Plattformbetreiber verfolgen das ehrgeizige Ziel, “die jungen Leute” zu erreichen. Weil das mit klassischer Musik alleine etwas schwierig sein dürfte, gibt es auch ein umfassendes Angebot an Sachbüchern und Ratgebern. Und hier finden sich auch Bücher aus größeren Verlagen, wie “Markt & Technik” oder “Galileo”.
Den Aufbau der Online-Plattform und die Digitalisierung der Medien hat die Wiesbadener Firma DiViBib (Digitale Virtuelle Bibliothek) übernommen. Das Rechte-System, das das Unternehmen für Musik und Videos einsetzt, funktioniert nur unter Windows. Benutzer anderer Betriebssysteme bleiben bei der Stadtbibliothek 2.0 also derzeit außen vor. “Wir sind aber aktiv auf der Suche nach Lösungen für Apple und Linux”. Zurzeit werde zusammen mit der Münchener Stadtbibliothek und Hersteller Adobe daran gearbeitet die e-Books auch auf Linux-Rechnern lesbar zu machen.
Köln hat als dritte deutsche Stadtbibliothek nach Hamburg und Würzburg diese Art der Internet-Ausleihe eingeführt. München soll bald folgen. Bei DiViBib geht man davon aus, dass bis Ende 2007 rund 20 deutsche Stadtbibliotheken diesen Service anbieten – das wäre allerdings immer noch weniger als ein Zehntel der Bibliotheken allein in Nordrhein-Westfalen.
Möglicherweise folgt bald auch Gütersloh – trotz, oder gerade auf Grund – von Bertelsmann in Gütersloh…..













In diesem Bereich tut sich momentan sehr viel; wird ja auch höchste Zeit, dass sich mal jemand Gedanken macht, wie man diese Technologien *nutzen* kann, anstatt weitere sinnlose Kopierschutzsysteme zu implementieren.